Pilgerausrüstung

Der Kulturbeutel

Der Kulturbeutel hat für Wanderer und Pilger scheinbar keine herausragende Bedeutung. Beinhaltet er doch lediglich eine Reihe von Alltagsgegenständen für die tägliche Hygiene.  Besonders Leichtwanderer nehmen ihn nicht ernst. Sie sagen: Hauptsache das Ding hält alles zusammen und wiegt nicht viel. 

Der Kulturbeutel für Pilger

Ich hingegen nenne ihn liebevoll „Necessaire“ (franz. nécessaire für „notwendig“). Diesen Namen finde ich treffender, weil er deutlich macht, dass alles was sich in ihm befindet, für mich wirklich unerlässlich ist. Die sorgfältig ausgewählten Gegenstände, die sich in meinem Necessaire befinden, vermitteln mir – egal wo –  mit ihren typischen Gerüchen und haptischen Besonderheiten, das Gefühl von Vertrautheit und Wohlgefühl. Was gibt es schöneres, als einen anstrengenden Tag mit dem Geruch der Lieblingsseife während und nach einer ausgiebigen Dusche zu beenden? Kommen dann noch das gewohnt zuverlässige Deo und die Lieblingszahnpasta dazu, ist alles wieder im Lot. Frisch gereinigt, gelüftet und für alles gerüstet. Der neue Tag kann kommen.

Spreche ich in Pilgerkreisen begeistert über meinen Kulturbeutel, ernte ich sehr oft hochgezogene Augenbrauen.  Bei den wenigen Pilgern, die meine Leidenschaft teilen, konnte ich feststellen, dass es sich ausnahmslos um ausgeglichene und keinesfalls verbitterte Zeitgenossen handelt. Es stellt sich die Frage, ob der Kulturbeutel der Grund sein könnte? Ist er in aller Bescheidenheit gar ein Stimmungsaufheller? Die Antwort für mich ist klar:

Ja, er hat therapeutischen Wert und ist mein ganz persönliches Antidepressivum, wenn mich der Weltschmerz packt.

Kurz vor einer Reise widme ich ihm meine ganz besondere Aufmerksamkeit. Ich packe aus, drehe und wende jeden einzelnen Gegenstand. Prüfe die Funktionsfähigkeit, Haltbar- und Gebrauchsfähigkeit. Öffne dafür Verschlüsse, rieche, fühle, schmecke, tausche aus, erneuere, freue mich über die Haltbarkeit mancher Teile und erlaube es ihnen, wieder mit auf Reisen zu gehen. Das Necessaire wandert als letztes Teil in den Rucksack. Es ist mein Signal zum Aufbruch.

Über was reden wir?

  • Wir reden über meinen Kulturbeutel. Er ist von der Firma Eagle Creek und besteht aus hauchdünnem Material. Er wiegt nicht viel, ist reißfest, wasserdicht und die Reißverschlüsse gleiten wie von selbst ohne von allein auf- oder zuzugehen. Insgesamt gibt es ein Haupt- und zwei schmale Fächer an den Seiten. An den Zippern von YKK habe ich kleine Karabinerhaken aus Plastik festgemacht. Insgesamt vier an der Zahl. Mit den Dingern kann ich u.a. Wäsche aufhängen und Gegenstände am Rucksack befestigen. Für eine Seilschaft am Berg sind sie aufgrund ihrer geringen Größe nicht geeignet. Insgesamt misst der Kulturbeutel nicht mehr als 25 x 14 x 7 cm. Das ist keinesfalls voluminös. Das Gewicht des gefüllten Kulturbeutels beträgt vollbeladen 540 Gramm. Das ist zu viel für einen Ultra-Leichtwanderer, aber nicht für mich, denn ich will genau den beschriebenen Inhalt in genau der Menge. Er hat sich auf vielen Reise bewährt  und niemals, wirklich niemals habe ich das Gefühl, dass mir etwas fehlt.      
Der Kulturbeutel für Pilger
Der Kulturbeutel

Und seinen Inhalt:

  • Ein brauchbares Handtuch aus Mikrofaser in veritabler Größe (40 x 80 cm) und einen kleinen Waschlappen aus dem gleichen Material. Das Handtuch ist extrem leicht und unfassbar saugfähig. Es trocknet schnell und findet zusammengefaltet seinen Platz ganz unten im Kulturbeutel. (Bei Handtüchern gibt es ein generelles Problem. Morgens nach dem Duschen sind sie naturgemäß nass. Nasse Handtücher im Kulturbeutel sind nicht gut. Die Zeit zum Trocknen reicht nicht und daher werden sie oft an den Rucksack gebunden bis sie wieder trocken sind. Je schneller das geht, desto besser.)
    Wofür das Handtuch sonst noch gut ist:
    – als Schal
    – als Abdeckung bei schmutzigen Kopfkissen
    – als Sitzunterlage
    – kleine Picknickdecke
Torsten Gripp - Packliste Jakobsweg
  • Universalseife von Dr. Bronner (mit Teebaumöl) in einer kleinen Plastik-Schachtel für die Haare, die Rasur, die Wäsche und natürlich für den Körper. Zur Not zum Zähneputzen und für das Spülen von Geschirr.
Packliste Jakobsweg: Universalseife
  • Neo-Ballistol ) in einer kleinen 30 ml-Tropfflasche als Hautpflegemittel (besonders für die Füße), nach der Rasur und gegen Wundlaufen sowie als erprobtes Mittel gegen Blasen an den Füßen. Als Heilmittel bei Erkältungen, Sodbrennen und Blähungen ist es ebenfalls gut zu gebrauchen. Nur wenige Tropfen reichen. 
  • Wasserstoffperoxid (3-prozentig) ebenfalls in einer kleinen 30 ml-Tropfflasche. Es ist dient als Desinfektionsmittel für die Haut und alle Gegenstände. Es wirkt zuverlässig gegen Bakterien, Viren und Pilze. Resistenzen sind nicht bekannt.  Ein Tropfen in die Ohren bei Erkältungen wirkt Wunder. Entzündungen im Mund- und Rachenraum sind schnell wieder Geschichte, wenn man damit gurgelt. Auch Nagel- sowie Fußpilz lässt sich damit ganz schnell entfernen. Man bekommt das Mittel in jeder Apotheke für wenig Geld. 
Torsten Gripp - Packliste Jakobsweg
  • Einweg-Rasierer einer namhaften Marke mit drei Klingen. Der Kopf lässt sich zum Transport abnehmen. Das spart Platz. Minimal zwar nur, aber immerhin. Als Rasierseife fungiert die Seife von Dr. Bronner.
Torsten Gripp - Packliste Jakobsweg
  • Ein Zahnputzbecherchen mit einer kleinen Tube Zahnpasta, einer vollwertigen Zahnbürste, die zusammengesteckt wird und jede Menge Kleinkram. Unter anderem findet sich dort bei mir ein Mini-Nähset, eine gebogene Ledernadel, eine scharfe Klinge mit Rücken, vier große Sicherheitsnadeln und ein paar Meter dünner Messingdraht. Mit dem Draht kann man nähen (!) und kleine Defekte reparieren. Selbst Knöpfe können damit geformt werden.
  • Eine professionelle Zeckenzange, die auch als Pinzette verwendet werden kann und bei der Entfernung der kleinen Tierchen und Splittern unter der Haut vortreffliche Arbeit verrichtet.
Torsten Gripp - Packliste Jakobsweg
  • Zahnseide (gewachst) für die Reinigung der Zahnzwischenräume und als Nahtmaterial in Verbindung mit der gebogenen Nadel. Damit habe ich schon Schuhe reparieren können und auch am Rucksack konnte ich nach einem Unfall stabile Verbindungen herstellen. Hoffentlich muss  ich niemals Wunden damit nähen…
  • Ein kleiner Nagelknipser mit Feile und Messerchen (kann im Flugzeug mit ins Handgepäck!) für die Mani- und Pediküre.
Torsten Gripp - Packliste Jakobsweg
  • Ein Saughaken. Er ist sehr wichtig für mich, da er in Verbindung mit einem Karabinerhaken an jeder Fliese zuverlässig meinen Kulturbeutel und noch viel mehr festhält. Ganz nebenbei ist er auch als Halter für die Wäscheleine zu gebrauchen.
  • Wattepads und Wattestäbchen in einer Plastikhülle (stammt aus einem Hotel).
  • Ein kleiner Handspiegel aus Plastik für die Kontrolle 😉 zwischendurch.
  • Deo. Ohne Worte. 
  • Diverse Pflaster für kleine Wunden und einige Blasenpflaster von Compeed. Pflaster kann man gar nicht genug haben.
  • Schmerzmittel – ich halte mich daran, was die Spezialkräfte der Bundeswehr nehmen. Die nehmen nämlich eine Kombination von Paracetamol und einem nichtsteroidalem Antirheumatikum. Es eignet sich gut bei Fieber, Entzündungen,Verstauchungen und Zerrungen und hat fast keine Nebenwirkungen. Die Dosierung sollte mit einem Arzt abgesprochen werden. 
  • Zitronenbonbons gegen den schlechten Geschmack, als Belohnung und als Mittel bei einer Speicheldrüsenblockade. Die kommt relativ häufig vor, wenn man nicht genug trinkt oder der Mund eine längere Zeit ausgetrocknet war. Komischerweise hilft ein säuerlicher Bonbon dagegen.
Torsten Gripp - Packliste Jakobsweg
  • „Leck mich am Arsch – Tabletten“ vom Arzt. Wenn der große Reisefrust kommt, die Leute in den Schlafräumen nicht auszuhalten sind oder große Schmerzen den Schlaf verhindert, dann kommen die Tabletten zum Einsatz. Aber: Nur im Notfall, nur für einmal und niemals unkontrolliert über mehrere Tage.
  • Ein paar Tabletten Cetirizin. Das frei verkäufliche Antihistaminikum hilft bei allergischen Hautreaktionen ebenso wie bei Heuschnupfen und Bindehautentzündung. 
    Ach ja: Wenn ich die genannten Tabletten  nehme, dann ist Pause mit Alkohol.  Besser ist das.
  • Schnur (8 Meter in 4mm Stärke) – unkaputtbar und für alles zu benutzen. Zum Wäsche aufhängen, als Ersatzschuhriemen, zusammen mit Sicherheitsnadeln als Knopfersatz.  Im Falle eines Beinbruchs kann man damit und unter Zuhilfenahme von Ästen einen Bruch schienen. Bei mir kommt sie fast ausschließlich als Wäscheleine zum Einsatz. Gott sei Dank.    

  • Eine lichtstarke Mini-Taschenlampe von Photon. Sie wiegt nicht mehr als 7 Gramm, ist ein Leuchtwunder und ist nicht einmal so groß wie mein Daumen. Die Batterie hält mehr als 80 Stunden. Selbst eine Nachtwanderung ist damit möglich. Ein nächtlicher Gang zur Toilette sowieso. Ach ja, selbst die Astronauten der NASA vertrauen auf dieses kleine Ding. Warum sollte ich dann…
     
Der Kulturbeutel für Pilger

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