Kulturbeutel

Kulturbeutel: 

Der Kulturbeutel hat für Wanderer und sonstige Reisende scheinbar keine herausragende Bedeutung. Beinhaltet er doch lediglich eine Reihe von Alltagsgegenständen für die tägliche Hygiene.  Besonders Leichtwanderer nehmen ihn nicht ernst. Sie sagen: Hauptsache das Ding hält alles zusammen und wiegt nicht viel. Ich hingegen nenne ihn liebevoll „Necessaire“ (franz. Necessaire für „notwendig“). Diesen Namen finde ich treffender, weil er deutlich macht, dass alles was sich in ihm befindet, für mich wirklich unerlässlich ist. Die sorgfältig ausgewählten Gegenstände, die sich in meinem Necessaire befinden, vermitteln mir – egal wo – mit ihren typischen Gerüchen und haptischen Besonderheiten, das Gefühl von Vertrautheit und Wohlgefühl. Was gibt es schöneres, als einen anstrengenden Tag mit dem Geruch der Lieblingsseife während und nach einer – wenn auch flüchtigen – Reinigung zu beenden? Als Krönung des Genusses auch noch die müden Füße mit einem wohltuenden Öl zu massieren. Das ist selbst geschaffene Wertschätzung. Genuss pur. Kommen dann noch das gewohnt zuverlässige Deo und die Lieblingszahnpasta dazu, dann ist, egal welche Abenteuer hinter mir liegen, alles wieder im Lot.

Spreche ich im Freundeskreis begeistert über meinen Kulturbeutel, ernte ich sehr oft hochgezogene Augenbrauen.  Bei einigen wenigen, die meine Leidenschaft teilen, konnte ich feststellen, dass es sich ausnahmslos um ausgeglichene und keinesfalls verbitterte Zeitgenossen handelt. Ist er in aller Bescheidenheit gar ein Stimmungsaufheller? Die Antwort für mich ist klar: Ja, er hat therapeutischen Wert und ist mein ganz persönliches Antidepressivum, wenn mich der Weltschmerz packt.

Was ist drin & wofür ist es gut?

Ein brauchbares Handtuch aus Mikrofaser in veritabler Größe und ein kleiner Waschlappen aus dem gleichen Material. Es ist leicht, trocknet schnell und findet zusammengefaltet seinen Platz ganz unten im Kulturbeutel. Ein Handtuch ist nicht nur fürs Hände abtrocknen erste Wahl, sondern auch:

• als Schal
• als Abdeckung bei schmutzigen Kopfkissen
• als Sitzunterlage
• kleine Picknickdecke

Und sonst noch:
Ein Stück Universalseife von Dr. Bronner in einer kleinen Schachtel. Sie ist gut für die Haare, eine Rasur, die Wäsche und natürlich den Körper. Zur Not eignet sie sich auch zum Zähneputzen und als Spülmittel.

Neo-Ballistol in einer kleinen 30 ml-Tropfflasche als Hautpflegemittel.

Wasserstoffperoxid (3-prozentig) ebenfalls in einer kleinen 30 ml-Tropfflasche. Es dient als Desinfektionsmittel für die Haut und alle Gegenstände, es wirkt zuverlässig gegen Bakterien, Viren und Pilze. Resistenzen sind nicht bekannt.  Ein Tropfen in die Ohren bei Erkältungen wirkt Wunder. Entzündungen im Mund- und Rachenraum sind schnell wieder Geschichte, wenn man damit gurgelt. Auch Nagel- sowie Fußpilz lässt sich damit ganz gut behandeln. Man bekommt das Mittel in jeder Apotheke für wenig Geld. 

Einweg-Rasierer einer namhaften Marke mit drei Klingen. Der Kopf lässt sich zum Transport abnehmen. Als Rasierseife fungiert die Seife von Dr. Bronner.

Ein kleiner Zahnputzbecher mit Zahnpasta, einer vollwertigen Zahnbürste, die zusammengesteckt wird und jede Menge Kleinkram. Unter anderem findet sich dort bei mir ein Mini-Näh-Set, eine gebogene Ledernadel, eine scharfe Klinge mit Rücken, vier große Sicherheitsnadeln und ein paar Meter dünner Messingdraht. Mit dem Draht kann man nähen (!) und kleine Defekte reparieren. Selbst Knöpfe können damit geformt werden.

Eine professionelle Zeckenzange, die auch als Pinzette verwendet werden kann und bei der Entfernung der kleinen Tierchen und Splittern unter der Haut vortreffliche Arbeit verrichtet.

Zahnseide (gewachst) für die Reinigung der Zahnzwischenräume und als Nahtmaterial in Verbindung mit der gebogenen Nadel. Damit habe ich schon Schuhe reparieren können und auch am Rucksack konnte ich nach einem Unfall stabile Verbindungen herstellen. Hoffentlich muss ich niemals Wunden damit nähen…

Ein kleiner Nagelknipser mit Feile und Messerchen für die Mani- und Pediküre.

Wattepads und Wattestäbchen in einer Plastikhülle (stammt aus einem Hotel).

Ein kleiner Handspiegel aus Plastik für die Kontrolle 😉 zwischendurch.

Deo. Ohne Worte. 

Diverse Pflaster für kleine Wunden und einige Blasenpflaster von Compeed. Pflaster kann man gar nicht genug haben.

Zitronenbonbons gegen den schlechten Geschmack, als Belohnung und als Mittel bei einer Speicheldrüsenblockade. Die kommt relativ häufig vor, wenn man nicht genug trinkt oder der Mund eine längere Zeit ausgetrocknet war. Komischerweise hilft ein säuerlicher Bonbon dagegen.

Wichtige Medikamente. Bei mir sind es neben Schmerztabletten ein paar Tabletten Cetirizin. Das frei verkäufliche Antihistaminikum hilft bei allergischen Hautreaktionen ebenso wie bei Heuschnupfen, Insektenstichen und Bindehautentzündung. Ach ja: Wenn ich Tabletten  nehme, dann ist Pause mit Alkohol.  Besser ist das.

Schnur (in 4mm Stärke) – unkaputtbar und für alles zu benutzen. Zum Wäsche aufhängen, als Ersatzschuhriemen, zusammen mit Sicherheitsnadeln als Knopfersatz.     

Eine lichtstarke Mini-Taschenlampe von Photon. Sie wiegt nicht mehr als 7 Gramm, ist ein Leuchtwunder und ist nicht einmal so groß wie mein Daumen. Die Batterie hält mehr als 80 Stunden. Selbst eine Nachtwanderung ist damit möglich. Ein nächtlicher Gang zur Toilette sowieso. Ach ja, selbst die Astronauten der NASA vertrauen auf dieses kleine Ding. Warum sollte ich dann…