Kulturbeutel

Kulturbeutel: 

Der Kulturbeutel hat für Wanderer und sonstige Reisende scheinbar keine herausragende Bedeutung. Beinhaltet er doch lediglich eine Reihe von Alltagsgegenständen für die tägliche Hygiene.  Besonders Leichtwanderer nehmen ihn nicht ernst. Sie sagen: Hauptsache das Ding hält alles zusammen und wiegt nicht viel. Ich hingegen nenne ihn liebevoll „Necessaire“ (franz. Necessaire für „notwendig“). Diesen Namen finde ich treffender, weil er deutlich macht, dass alles was sich in ihm befindet, für mich wirklich unerlässlich ist. Die sorgfältig ausgewählten Gegenstände, die sich in meinem Necessaire befinden, vermitteln mir – egal wo – mit ihren typischen Gerüchen und haptischen Besonderheiten, das Gefühl von Vertrautheit und Wohlgefühl. Was gibt es schöneres, als einen anstrengenden Tag mit dem Geruch der Lieblingsseife während und nach einer – wenn auch flüchtigen – Reinigung zu beenden? Als Krönung des Genusses auch noch die müden Füße mit einem wohltuenden Öl zu massieren. Das ist selbst geschaffene Wertschätzung. Genuss pur. Kommen dann noch das gewohnt zuverlässige Deo und die Lieblingszahnpasta dazu, dann ist, egal welche Abenteuer hinter mir liegen, alles wieder im Lot.

Spreche ich im Freundeskreis begeistert über meinen Kulturbeutel, ernte ich sehr oft hochgezogene Augenbrauen.  Bei einigen wenigen, die meine Leidenschaft teilen, konnte ich feststellen, dass es sich ausnahmslos um ausgeglichene und keinesfalls verbitterte Zeitgenossen handelt. Ist er in aller Bescheidenheit gar ein Stimmungsaufheller? Die Antwort für mich ist klar: Ja, er hat therapeutischen Wert und ist mein ganz persönliches Antidepressivum, wenn mich der Weltschmerz packt.

Alles in Allem ein eher bescheidener Inhalt.