Farbreste

Bei einer Freundin im Atelier
entdeckte ich Farbreste.
Abgeschabt von einer Palette,
eilig weggewischt, dem Müll geweiht.

Doch ich sah, wie sie im Licht glühten.
So verschwenderisch schön.
So eigensinnig.
Ein kleines Farbgedicht.

„Halt!“ – rief ich.
Ich wollte sie retten,
die Reste, die keiner mehr wollte.
Sie waren so bunt, so schön.

Ich bat um die Reste.
Und bekam sie.
Zuhause legte ich sie auf ein weißes Blatt.
Lies sie trocknen,
wie man Gedanken trocknen lässt.
Still, geduldig.

Nun sind sie ein Kunstwerk.
Eine Assemblage aus Zufall und Wille.
Ein Zusammenklang aus dem,
was andere fortwerfen.

Ich mag das neue Leben dieser Farbreste.
Sie erzählen von verschwenderischer Schönheit,
die nicht vergeht.
Von einem Atemzug,
der bleibt.

Nachhaltigkeit –
nicht nur ein Wort.
Ein stiller Akt.
Ein Blick, der tiefer geht.
Ein Kunstwerk, das weiteratmet.
Langsam.
Behutsam.
Und doch voller Kraft.