Hoffnungsland

Von Sehnsuchtsorten und Hoffnungsland

Die Pandemie zeigt sehr deutlich, dass Reisen zukünftig komplizierter, kostspieliger und begrenzter sein werden. Das ist mir keinesfalls gleichgültig und doch drängt es mich, besondere Orte zu entdecken. Ich nenne sie Sehnsuchtsorte. Sie ziehen mich magisch an. Nun allerdings nicht mehr achtlos per Kurztripp am Wochenende. Stattdessen habe ich mich für nachhaltiges, langsames Reisen zu Fuß oder für VANLIFE entschieden. Auch sind mir die Entfernungen nicht mehr so wichtig. Wollte ich gestern noch mit dem Flugzeug nach Feuerland, möchte ich heute lieber mit dem Auto durch alte Alleen an die Ostsee fahren. Gott sei Dank gibt es viele wunderbare Wege und bei achtsamer Reise wird auch der Weg zum Ziel. Weil der Reisebericht dann nicht exotisch oder pompös ausfallen kann, wird es in den sozialen Netzwerken wahrscheinlich belächelt werden. Ganz ehrlich? Es ist mir egal. Hier, an dieser Stelle im Netz, schreibe ich über meine Sehnsüchte, der Suche nach Glück und vor allen Dingen über die Liebe zu den kleinen Dingen. (mehr lesen…)

Teilt man das Leben in drei Abschnitte, so finde ich mich am Anfang des dritten Teils wieder. Den ersten Abschnitt, meine Kindheit und den zweiten, die Zeit der Familiengründung und Arbeit liegen hinter mir. Kein Arbeitgeber möchte noch schnell ein neues Konzept und auch meine Familie braucht mich nicht mehr im gleichen Umfang wie bisher. Mein Ziel ist nicht mehr Feierabend oder Wochenende. Auch terminierter Urlaub hat seinen Reiz verloren. Jeden Tag in einen ganz besonderen Tag zu verwandeln, das ist nun Aufgabe und Ziel. Mir hilft dabei eine nicht zu knappe Pension. Sie reicht locker für alle Bedürfnisse und manchmal bleibt sogar etwas für die Launen. Und… ganz erstaunlich, die Expedition zu mir selbst ist vollkommen kostenlos. (mehr lesen…)

Am Ende sind nur vier Dinge von Bedeutung:

1. Ein Traum
Mein Traum von Freiheit und Abenteuer ist groß genug, dass ich ihn nicht aus den Augen verliere, aber gleichzeitig klein genug, um am Ende nicht enttäuscht zu werden. Ich erwarte unterwegs keine Wunder, sondern bin mit den kleinen Dingen des Lebens vollauf zufrieden. Das Große im Kleinen finden, dafür begebe ich mich auf die Reise.

2. Ein Auto
Ich besitze einen umgebauten VW Caddy. Leider stimmt die Öko-Bilanz nicht hundertprozentig, aber bis die e-Mobilität auch in den weniger entwickelten Landstrichen Europas ausgebaut ist, ist dieser Diesel mit diversen Filtern und Abgasreinigungs-Dingsda für mich die beste Wahl. Er ist für die nächsten Jahre Fortbewegungsmittel und Hotelzimmer zugleich. Er ist nur mit dem notwendigsten ausgestattet, aber ich habe mich absichtlich gegen ein vollausgerüstetes Wohnmobil entschieden. Ich übe Verzicht und lasse alte Gewohnheiten hinter mir zurück. Gute Abenteuer sind immer simple Abenteuer. Zuviel Komfort steht – denke ich – dem Glück im Weg und das will ich unbedingt vermeiden. Wie man mit wenig auskommt und trotzdem nichts vermisst, konnte ich in der Vergangenheit als Pilger auf Jakobs- und Franziskuswegen lernen.


3. Ausrüstung
Ohne überzogene Bedürfnisse, einfach glücklich, so versuche ich zu leben. Meine wenigen Habseligkeiten inklusive Kulturbeutel, Technik und Malsachen habe ich in einer Reisetasche bzw. in meinem Rucksack, beides liegt auf dem Rücksitz und das hat seinen Grund. Ich übernachte in der Regel in kleinen Pensionen und Hotels und so kann ich meine Sachen unkompliziert mitnehmen. In den Gasthäusern gibt es kostenlos Strom, weiche Betten und in der Regel auch ein Frühstück. Die Menschen dort sind mir Wirt, Reiseführer und Ratgeber in einem. Sehr oft habe ich von ihnen die entscheidenden Hinweise auf besondere Orte bekommen.
Sehr selten trifft man mich auf Campingplätzen. Das hat verschiedene Gründe. Zum einen mag ich die Campingplatz-Mentalität nur bedingt und zum anderen ist die Platzmiete auch für einen PKW mit kleinem Seitenzelt nicht ganz unerheblich.
Warum dann das rollende Hotelzimmer könnte man denken? Für mich ist es ganz einfach. Ich erhalte dadurch, dass ich die Wahl habe wo und wie ich schlafen kann, genau das Maß an Freiheit, das ich liebe. Lässt es das Wegenetz zu, dass ich beispielsweise am Meer stehen kann ohne dass sich Mensch und Tier von meiner Anwesenheit gestört fühlen, dann bleibe ich an Ort und Stelle, lasse die Heckklappe nach oben schwingen und stelle mir meinen Klappstuhl raus, höre der Natur zu, starre in die Gegend, träume, schreibe an meinem Buch. Fühle mich auserwählt. Abends krieche ich nur noch ins Bett und setze die Reise im Traum fort.
Wenn ich im Auto schlafe, liege ich auf einer großen dicken Matratze. Sie ist außerordentlich bequem. Das ist mein einziges Zugeständnis an Komfort und Luxus. In ihrer vollen Breite von hundertzwanzig Zentimetern liegt sie auf Euroboxen und natürlich auf der umgeklappten Rückbank. Die Euroboxen sind Stauraum, Unterlage, Sitzplatz und Tisch zugleich. In ihnen befindet sich jede Menge „Kram“. Für die Nacht gibt es einen kuscheligen Schlafsack oder alternativ eine dünne Decke.
Auf langen Touren nehme ich noch ein kleines Seiten-Zelt mit auf die Reise. Das finde ich auf Campingplätzen (Wenn ich längere Zeit keine Pensionen finde und den Verlockungen warmer Duschen doch nicht widerstehen kann.) bequemer. Das Zelt ist groß, luftig, hell und auf geniale Art mit dem Auto verbunden, kann aber auch alleine stehen.
Das war’s. Ready for VANLIFE.

4. Stimmung
Aufwachen im Auto, das ist ein ganz spezieller Moment. Oft bin ich orientierungslos und fühle mich unwohl. Zumindest solange, bis ich den vergangenen Tag aus der Erinnerung geholt habe, um mich erneut in der Gegenwart zu verankern. Fast ist es so, wie in einem großen Schlafsaal, wenn man als erster aufwacht und alle anderen schlafen noch.
Meistens ist es morgens auch im Sommer klamm, nebelig und vor allen Dingen: still. Die Zeit ist träge und legt sich sanft auf die Seele, unterstützt vom Rauschen des Meeres oder dem Zwitschern der Vögel. Das ist die Zeit des Nachdenkens und der Melancholie. Diese träumerische Nachdenklichkeit verdränge ich aber nach kurzer Zeit mit einem Kaffee und der Tagesplanung.


Aktuelle Fotos & Informationen:
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Credo
(nicht nur Am Rande):
  • Finde deine Stärken
    – am besten nur ganz kleine Fertigkeiten.
  • Finde deinen eigenen Flow
    – vermeide den Wunsch nach Anerkennung.
  • Finde deine innere Balance
    – konzentriere dich mitten in der Gemeinschaft auf dich selbst.
  • Finde die kleinen Dinge
    – entdecke ihre Kraft und teile sie mit anderen Menschen.