Keramik

In einem Museum sah ich in einer Vitrine eine alte japanische Teeschale. Krumm. Dunkler Ton. Gedeckte Farben. Irgendwie unperfekt. Erst auf den zweiten Blick schön. Unzweifelhaft über Jahrhunderte benutzt. Abgenutzt. Und doch an prominenter Stelle in einem Museum präsentiert.
Stoff zum Nachdenken.

Ich?
Eine beliebige Tasse und ein Teebeutel.

Jedenfalls bis zu diesem Zeitpunkt. Es hat mich tief berührt, mit welcher Hochachtung diese alte Teeschale dort im Museum präsentiert wurde. Es entstand in mir der Wunsch, ebenfalls eine Teeschale zum fleißigen Gebrauch herzustellen. Ganz bewusst habe ich mich für die einfache japanische Kurinuki-Töpfertechnik und gegen die Symmetrie einer Töpferscheibe entschieden. Der Zufall spielt bei dieser Töpferei eine ebenso große Rolle wie in meiner Malerei/Fotografie. Informelle Keramik zuzusagen. Das liegt mir.

Unterstützung erfahre ich seit einiger Zeit durch die Töpferei Günther in Adendorf. Ein Familienbetrieb, der seit 1854 in bewährter Tradition Töpferwaren herstellt und auch für Neues sehr aufgeschlossen ist.

Teeschale mit blauer Glasur. Keramik.
Teeschale - Atelier Gripp. Keramik.

Meine erste Teeschale klingt hell wie eine Glocke, klopft man mit dem Fingernagel dagegen. Stellenweise ist sie mit einer dicken Glasur überzogen, Fingerspuren treten hervor und der gebrannte Ton bricht an vielen Stellen hindurch. Risse und kleine Blasen machen die Außenwand griffig.
Beim Betrachten scheint sie lebendig zu werden und es ist mir, als könnte ich an ihrem Rand blauen Himmel und flüchtige Wolken erkennen. Auch finden meine Lippen ganz automatisch die Ausbuchtung an der einen Seite, die das Trinken zu einem sinnlichen Erlebnis werden lässt. Wenn ich sie verwende, würdige ich sie in dem Augenblick, indem ich sie erst mit den Händen und dann mit den Lippen berühre. Die Teeschale ermöglicht es mir auf einzigartige Weise, das Schöne nicht nur zu betrachten, sondern auch zu gebrauchen. Das der Tee aus dieser speziellen Schale besonders gut schmeckt, liegt quasi auf der Hand.


Die nächsten Jahre will ich nun damit verbringen, die ultimative Schale zu formen. Bis dahin erfreue ich mich daran, dass so viele Menschen denken, ich könnte es nicht. Wie es weitergeht erfahren Sie in meinem Blog.