Keramik

Vier Elemente.
Erde. Wasser. Luft. Feuer.
Mein Sternzeichen: Steinbock. Mein Element: Erde. Meine Schwäche: Keramik.

In einem Museum sah ich eine alte japanische Teeschale. Gefertigt in Kurinuki-Technik. Krumm. Dunkler Ton. Gedeckte Farben. Irgendwie unperfekt. Erst auf den zweiten Blick schön. Unzweifelhaft über Jahrhunderte benutzt. Abgenutzt. Und doch an prominenter Stelle in einem Museum präsentiert.
Stoff zum Nachdenken.
Ich? Eine beliebige Tasse und ein Teebeutel. Meine Erwartungen an das Getränk waren entsprechend bescheiden.

Das wollte ich ändern.



Leider gab es keine Teeschale, die mir gefallen hätte. Die aus dem Museum war unverkäuflich. Mit viel Selbstvertrauen, in Anlehnung an die alte Schale, habe ich daher die Herstellung in die eigene Hand genommen. Zutaten: dunkler Ton aus dem Westerwald, natürliche Glasuren und ein Ofen.
Nicht zu vergessen, die Unterstützung durch Sylvia Keuth, die mir mit ihrer langjährigen Töpfererfahrung in technischen Fragen, sowie beim Brennvorgang zur Seite stand.

Auf keinen Fall wollte ich eine perfekte Keramik. Mir war es wichtig, den Charakter der alten Schale aus dem Museum nachzuempfinden. Ganz bewusst habe ich mich für die alte japanische Kurinuki-Technik und gegen Symmetrie und gerade Linien entschieden. So wie der Ton unter meinen Händen zu einer Schale wurde, genau so habe ich es belassen. Auch bei der Glasur habe ich mich bewusst gegen Perfektion und bewährte Techniken entschieden. Kleine Makel wie Bläschen, harte Kanten, Farbabbrüche und Risse machen Keramiken in meinen Augen lebendig. Keinesfalls ärgere ich mich darüber. Der Zufall spielt hier eine ebenso große Rolle wie bei meiner Malerei/Fotografie. Informelle Keramik zuzusagen.

Und das besondere an dieser Schale: sie liegt einfach wunderbar in der Hand. Auch die Lippen finden ganz automatisch die Ausbuchtung an der einen Seite. Wenn ich sie in der intimen Atmosphäre meines Ateliers als Teeschale verwende, würdige ich sie in dem Augenblick, indem ich sie erst mit den Händen und dann mit den Lippen berühre. Das der Tee aus dieser speziellen Schale besonders gut schmeckt, liegt quasi auf der Hand.

Teeschale mit blauer Glasur. Keramik.
Teeschale - Atelier Gripp. Keramik.

Die nächsten Jahre will ich nun damit verbringen, die ultimative Teeschale zu formen.
Bis dahin erfreue ich mich daran, dass so viele Menschen denken, ich könnte es nicht.