Gedichte & Co.

Wenn ich deine Hand liebkose, zittert sie,
Und berührst du die Mimose, zittert sie.
Zwar die Flamme, Sommervogel, tötet dich,
Doch gerührt von deinem Lose, zittert sie.
Eine Ros‘ im Garten nenn‘  ich dieses Lied,
Aber geb ich dir die Rose, zittert sie.
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Torsten Gripp - Gedichte und Texte

Ich sehe dich an und höre dir zu.
Sehe die Worte,
die deinen Lippen entkommen.
Höre Töne, die aneinandergereiht einen Sinn ergeben.
Bin fasziniert von den Lauten.
All der Inhaltsschwere.
Ich kann dir folgen!
Und doch:

Meine Gedanken flattern davon.

Fort von all der Sinnhaftigkeit.
Hin zu einem Gefühl von Wohlsein.
Mitten in uns.
Auf einmal bin ich ruhig.

Fühle deine stupsende Hand.
Verlasse schnell mein Haus aus Ruhe und Kraft.
Komme zurück zu dir.

Aber ja, ich habe zugehört.
Nicht mit dem Verstand.
Mit dem Herzen.

Ich war ich dir so nahe wie niemals zuvor.



Torsten Gripp - Leben

Außer Atem ringe ich nach Luft.
Bin zu schnell gelaufen.
Bleibe stehen.
Ganz allein im Nirgendwo.

Blicke zurück und sehe keine Spuren.
Ist das der Sinn?
Ist er in mir begraben?
Kann ich mich nur mit mir selbst umgeben?
Die Wahrheit scheint ohne jeden Weg.
Ohne einen Plan.

Ich schließe meine Augen.
Die Sonne umfängt mein Frieren.
Ein milder Wind streichelt sanft
mein Zögern.

Über die Geduld

Man muss den Dingen
die eigene, stille
ungestörte Entwicklung lassen,
die tief von innen kommt
und durch nichts gedrängt
oder beschleunigt werden kann,
alles ist austragen – und
dann gebären…
Reifen wie der Baum,
der seine Säfte nicht drängt
und getrost in den Stürmen des Frühlings steht,
ohne Angst,
dass dahinter kein Sommer
kommen könnte.
Er kommt doch!
Aber er kommt nur zu den Geduldigen,
die da sind, als ob die Ewigkeit
vor ihnen läge,
so sorglos, still und weit…
Man muss Geduld haben
Mit dem Ungelösten im Herzen,
und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,
wie verschlossene Stuben,
und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache
geschrieben sind.
Es handelt sich darum, alles zu leben.
Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich,
ohne es zu merken,
eines fremden Tages
in die Antworten hinein.
(Rainer Maria Rilke)