Ich arbeite mit Bildern, die den Raum wechseln.
Meine reisenden Bilder entstehen aus Fragmenten früherer Arbeiten und Aquarellfarbe. Stücke aus dem Atelier, die übrig geblieben sind, weil sie in anderen Bildern keinen Platz gefunden haben. Diese Reste verschwinden nicht. Sie bleiben sichtbar als zweites Bild im Bild.
Dann beginnt der Weg. Die Karte verlässt das Atelier. Sie geht in den Umlauf. Sortierung. Transport. Hände. Ablagen. Lichtwechsel. Zeit. Dabei verändert sie sich. Kanten verformen sich. Farben verändern ihre Tiefe. Oberflächen tragen Spuren. Diese Spuren sind kein Schaden. Sie gehören zum Werk.
Auf der Rückseite steht ein handgeschriebener Impuls. Ein kurzer Gedanke. Kein Kommentar zum Bild. Jede Karte ist anders. Keine zweite Karte trägt dieselben Spuren. Das Bild bleibt offen für Veränderung. Bis zu dem Moment, in dem es den neuen Besitzer erreicht. Und darüber hinaus.
Jede Karte entsteht einzeln mit variierendem Bildmaterial. Es gibt keine Wiederholung. Die Karten reisen normal. Sie gehen durch die gleichen Wege wie andere Post. Genau das ist Teil des Werks.
Warum ich das mache? Weil ein Bild mehr wird, wenn es sich bewegt. Weil Material Erinnerung speichert. Weil Kontrolle den Blick verengt.
Über Postkarten.
Eine Postkarte im digitalen Zeitalter – was für ein großes Wunder!
Handgeschrieben, mit Worten, die Zeit brauchen, um zu entstehen.
Kein flüchtiges Tippen, kein unpersönliches Senden.
Sondern:
Bedacht.
Hingabe.
Eine Spur von Ewigkeit.
Die Schrift ist uneben, ein wenig krakelig, aber authentisch.
Die Karte wird mit einer besonderen schönen Briefmarke versehen – ein winziges Kunstwerk für sich.
Tage später landet sie in fremden Händen.
Finger gleiten über das Papier, die Struktur des Kunstwerkes,
in der Nase: ein leichter Geruch von Farbe.
Augen entziffern die Schrift, das Herz spürt die Botschaft.
Alle Sinne sind beteiligt.
Vielleicht bekommt die Karte einen Ehrenplatz,
für einen Tag oder für immer.
Vielleicht wird sie gerahmt,
vielleicht in einer Schublade aufbewahrt, um Jahre später entdeckt zu werden.
Vielleicht zaubert sie noch lange ein Lächeln auf ein Gesicht.












