Ein kleiner Versuch über das Denken, das Denken beobachtet.
Der Sonntag sitzt schon am Tisch, bevor ich die Küche betrete.
Der Kaffee duftet.
Warm. Dunkel. Ein Duft mit Gewicht. Er schiebt sich durch die Räume. Vom Herd bis in den Wintergarten. Bis zu dem großen Tisch am Fenster, an dem der Morgen heute wohnen darf.
Die Sonne arbeitet bereits.
Und legt ihre Finger auf den Tisch. Auf die Tasse. Auf meine Stirn. Staubkörner treiben im Licht. Kleine Planeten. Jeder mit eigener Umlaufbahn. Ich sehe ihnen zu. Eine ganze Galaxie zwischen Kaffeetasse und Fensterrahmen.
Im Radio läuft Musik, die mich kennt.
Heute habe ich keinen Plan für den Tag.
Fast keinen.
Während dieser Gedanke im Kopf sitzt und sich selbst applaudiert, entsteht ein anderer. Ein stiller Vorschlag. Vielleicht schreibe ich später ein kleines Essay über diesen Morgen. Über das Licht. Über die Staubkörner. Über die eigenartige Freude eines Menschen, der einfach am Tisch sitzt und denkt. Gedanken beobachten Gedanken. Ein sonderbares Gefühl. Mein Gehirn besitzt offenbar mehrere Etagen. Heute Morgen haben sie alle geöffnet.
Dann taucht der gestrige Tag auf. Mein Ärger. Dieses Ärgern gehört zu einer eigenen Sorte Gefühl. Kein langer Zorn. Eher ein kurzer Brand. Eine Flamme, die plötzlich aus trockenem Holz schlägt. Laut. Heiß. Rasch verbraucht. Der Körper reagiert schneller als der Verstand. Meine Stimme hebt sich. Die Augen sprühen Funken. Gesten werden scharf. Worte springen aus dem Mund. Der Spuk dauert wenige Minuten. Danach steht Stille im Raum.
Der Auslöser? Ein schiefer Ton in der Luft. Ein Blick, der einen Moment zu lange im Gedächtnis bleibt. Eine Falte im Gewebe des Tages. Nichts Großes. Und doch reicht es aus. Der eigentliche Ärger verschwindet schnell. Das Ärgern dagegen arbeitet länger im Inneren. Es erinnert daran, wie rasch ein Mensch sich selbst überholen kann.
Die Sonne übernimmt an diesem Morgen eine andere Aufgabe.
Sie wärmt mich.
Sie nimmt mich in den Arm.
Ich sitze im Wintergarten und spüre ein Bündnis.
Das Licht.
Und ich.
Zwei Arbeiter an derselben Baustelle.
Ein Anfang.
Und vielleicht, ganz leise, eine kleine Reparatur in meinem Inneren.

