Zurück zur Schale.

Vom Vergnügen mit Ton zu arbeiten. (…)

Die Arbeit mit schwarzer Tonerde bietet eine Fülle von sinnlichen Erfahrungen: das Kneten des feuchten Tons, das Formen durch Druck und Drehung, das Polieren und Glätten der Oberfläche. Doch während dieser Prozess auf den ersten Blick dem Erschaffen einer perfekten Form zu widersprechen scheint, offenbart er stattdessen die Schönheit des Unvollkommenen.
Die Teeschalen, die durch die Kurinuki-Technik entstehen, strahlen eine archaische Anmut aus. Sie tragen deutliche Spuren der Werkzeuge, der menschlichen Berührung und der organischen Entstehung. Ihre Oberflächen präsentieren die Narben und Unebenheiten allen Betrachtern gleichermaßen, doch nicht jeder ist empfänglich für diesen wenig vordergründigen Stil.
In Anlehnung an die Philosophie des Nichts von Lao Tse erinnern mich meine Teeschalen daran, dass das Wesentliche oft im Unscheinbaren liegt. Ihre Einfachheit und Bescheidenheit sprechen eine Sprache, die jenseits von Worten liegt. Sie laden uns ein, innezuhalten und den Moment zu genießen, ohne nach Perfektion zu streben. In ihrer Unregelmäßigkeit offenbaren sie die tiefe Verbindung zwischen Mensch und Natur, zwischen Schöpfer und Geschöpf.

Archaisch?

Das Wort „archaisch“ bezieht sich auf etwas Altes, Ursprüngliches und Zeitloses. In Bezug auf die Trinkgefäße bedeutet „archaisch“ für mich eine Rückkehr zu den grundlegenden Elementen der Töpferei, bei der die Schönheit des handgefertigten Produkts in seiner Einfachheit und Authentizität liegt. Im Fall dieser Gefäße verkörpern sie genau dieses durch ihre rohe, ungeschönte äußere Struktur. Die grobe Bearbeitung des Tons lässt die Spuren der Hände sichtbar werden und soll an eine Zeit erinnern, in der die Menschen noch enger mit der Erde und ihren natürlichen Ressourcen verbunden waren.

Erster Schritt: Formen.

Zweiter Schritt: Glasieren.

Dritter Schritt: Ofen.

Ein Reisetagebuch

Warum ein Reisetagebuch, mag man fragen. Reicht es nicht aus, einfach auf Reisen zu gehen und jene Urlaubsfotos zu knipsen, die später die Facebook-Timeline zieren? Die Antwort ist keineswegs simpel. Die Reise, die ich unternommen habe, war kein Urlaub und schon gar keine einfache Reise; es war ein echter Roadtrip durch die Mitte Europas und in die Tiefen meines eigenen Ichs.

An dieser Stelle sei mir ein kleiner technischer Hinweis erlaubt. Wer am ersten Tag der Reise anfangen möchte, ist leider gezwungen ganz bis zum ersten Eintrag des Blogs zurück zu scrollen.

Von Gefühlen vor der Reise. (…)

Wie fühlt sich ein Wallfahrtsort wie Lourdes oder Fatima an? Wie schmeckt die Freiheit, wenn man sich auf den Weg macht, das Unbekannte zu entdecken? Wie klingen die Wellen des Lebens, wenn in Spanien der Rhythmus des Meeres die Sinne erregt? Und wie fühlt es sich an, allein an einem einsamen Strand, nur begleitet vom eigenen Atem und den Gedanken, die im Sande verwehen? Ist der Weg, den ich zurücklegen werde, tatsächlich wichtiger als ein kaum zu definierendes Ziel? Fragen über Fragen noch bevor die Reise beginnt.

Vom LOSFAHREN und ANHALTEN nach der Reise. (…)

Ich bin zwanzig Tage lang jeden Morgen losgefahren, nur um irgendwo anzuhalten und am nächsten Tag weiterzufahren. Gesammelt habe ich dabei nicht nur die Kilometerzahlen auf dem Tacho, sondern auch die Geschichten, die sich zwischen den Kilometern zwangsläufig ergaben. Ein wahrer Roadtrip, scheint mir, ist mehr als nur das monotone Surren von Reifen auf Asphalt.
Alles in allem war der Trip wie ein langer Spielfilm, aufregend, mitunter abenteuerlich, selten exakt so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Aber oft war es auch viel besser, beinahe sensationell. Ich war dabei nicht nur Opfer der Umstände, sondern auch aktiver Gestalter meines Schicksals, trotzdem verlief nicht alles reibungslos, manches entglitt mir wie das Wasser zwischen den Fingern.
Ich habe meine Gedanken jeden Tag in diesem Reisetagebuch niedergeschrieben. Manche Einträge sind durchdrungen von Pathos, gelenkt von meinen Emotionen. Andere sind zu lang oder zu kurz, je nachdem, wie die Zeit und die Inspiration es erlaubten. Dennoch lasse ich sie unverändert. In den unendlichen Weiten des World Wide Web verewigt, für Jedermann frei zugänglich. So bleiben sie mir und der Welt zu Diensten, jederzeit, von jedem Ort auf dieser Kugel, der „guten alten Erde“ abrufbar.


Lost in time

Das Ende der Reise

Nach zwanzig Tagen Reisen werde ich allmählich müde. Die Zeit, die zu Beginn der Reise so unbegreiflich langsam verstrich, scheint nun rasend schnell zu vergehen, während die Erinnerungen an die ersten Tage langsam, aber stetig, verblassen. Es ist, als ob ich in einem Wirbelwind aus Erlebnissen gefangen bin, der die Tage miteinander verschmelzen lässt, und am Ende der Reise sind sie kaum noch voneinander zu unterscheiden.


Torsten Gripp im Oktober 2023