Tag 22 der Reise – Bourgogne-Franche-Comté

Der Tag beginnt frühmorgens mit dem Duft von frisch gebrühtem Kaffee, der durch die Gassen zieht und mich magisch anzieht. Auf dem Markt herrscht bereits reges Treiben. Die Händler preisen lautstark ihre Waren an und ich kann nicht widerstehen – ein knuspriges Croissant muss sein. Ich gönne mir noch eine Handvoll frischer Erbsen, die ich vom Stand nebenan nasche, während ich durch die Marktstände schlendere. Ein kleiner Vorgeschmack auf die kulinarischen Genüsse, die Frankreich zu bieten hat.

Voller Vorfreude mache ich mich auf den Weg nach Cluny. Die Fahrt führt mich durch das Herz Frankreichs und pünktlich zur Mittagszeit halte ich an einem kleinen, unscheinbaren Bistro an. Hier erlebe ich einen wahren kulinarischen Höhenflug: Ein 3-Gänge-Menü, das selbst dem kritischsten Feinschmecker Tränen der Rührung in die Augen treiben würde, und das Ganze für sage und schreibe 22 Euro – inklusive Wein, Kaffee und Wasser. Frankreich, allein für solche Momente liebe ich dich.
Ach ja, könnt ihr auch das Gesicht in der Wasserflasche sehen? Ich glaube, es ist mein Schutzengel Friederike.

Cluny.

Touristen, wohin das Auge blickt. Was hatte ich auch anderes erwartet? Die Hotels und Pensionen sind allesamt überteuert, also beschließe ich, mein Zelt auf einem nahegelegenen Campingplatz aufzuschlagen. Direkt neben mir das Klo für alle – praktisch, aber nicht unbedingt die romantischste Vorstellung. Doch der Blick auf das majestätische Kloster Cluny in der Ferne entschädigt für vieles. Die Altstadt ist zu Fuß erreichbar, und nach einem langen Tag gönne ich mir ein Bier. Acht Euro kostet der Spaß, was mir einen kleinen Schock versetzt. Ich lasse mich trotzdem nieder und genieße die Atmosphäre.

Morgen steht der Besuch des Klosters an. Ich stelle mir vor, wie ich durch die historischen Mauern schreite, die einst so viel Bedeutung hatten und es auch heute noch tun. Danach geht’s weiter nach Taizé. Dort möchte ich an einer Messe teilnehmen und ein wenig innere Ruhe finden, bevor ich mich wieder Richtung Deutschland aufmache. Eine kleine Zwischenstation in Belgien steht noch auf dem Plan – ein ganz besonderer Ort wartet dort auf mich.
Aber das ist eine Geschichte für einen anderen Tag. Jetzt lehne ich mich zurück, schaue auf die Sterne über Cluny und nehme einen letzten Schluck von meinem überteuerten Bier. Abenteuerlust und Genuss – das ist Frankreich für mich.

PS.: Ich sitze hier in einem Bistro, der Kellner, ein älterer Herr mit einem charmanten Lächeln, hat mich überzeugt, dass „Escargots“ eine Delikatesse sind, die ich nicht verpassen darf. „Das schmeckt himmlisch, glauben Sie mir!“ hat er gesagt, während er mir die Karte reichte. Und da bin ich nun, bewaffnet mit einer speziellen Zange und einem kleinen Gabelchen, bereit, mich dieser kulinarischen Herausforderung zu stellen.
Ich nehme die erste Schnecke vorsichtig mit der Gabel aus der Schale. Sie sieht glitschig und fremd aus, irgendwie nach etwas, das eher auf dem Boden des Gartens kriechen sollte als auf meinem Teller. Aber der Duft von Knoblauch und Butter steigt mir in die Nase, und plötzlich bin ich neugierig.
„Was soll’s“, sage ich mir und schiebe die Schnecke in meinen Mund. Die Textur ist überraschend zart und der Geschmack… Moment, das ist tatsächlich lecker. Ich schlucke und greife sofort nach einem Stück Brot, um es in die restliche Knoblauchbutter zu tunken. Himmel, diese Butter! Sie ist reich, würzig und hat genau die richtige Menge Salz. Es geht mir gar nicht so sehr um die Schnecken, merke ich. Es ist die Butter. Die verdammte, göttliche Knoblauchbutter.
Schnell noch ein halbes Dutzend Schnecken für mich. Schnecken. Vor ein paar Tagen habe ich sie noch fotografiert und nun…. oh Gott. Sie schmecken mir auch noch. Himmel hilf. Dabei geht es mir gar nicht um die Schnecken. Ich tunke mein Brot so gern in die Knoblauchbutter….