Reisende Bilder

Bekenntnisse einer zerknitterten Postkarte

Ich wurde an einem Dienstag geboren.
Frisch bemalt. Noch leicht nach Papier, Farbe und Kaffee riechend. Mein Erschaffer hielt mich gegen das Fenster, nickte kurz und schrieb auf meine Rückseite einen Satz, der aussah, als hätte er länger über das Leben nachgedacht als über seine Stromrechnung.

Dann ging alles sehr schnell.
Briefmarke. Stempel. Druck. Sortieranlage.

Falls Sie einmal durch eine metallene Walze geschoben wurden, die alles hervorstehende zerquetscht, während gleichzeitig eine Zählmaschine Ihren Rücken anschreit, wissen Sie: Der Postweg besitzt wenig Poesie. Ich verlor beinahe meine Würde zwischen Werbung für Katzenfutter und einem Brief vom Finanzamt. Ein Regentropfen traf mich in Hannover. Schmieröl erwischte mich später an einer Laderampe. Irgendjemand knickte meine Ecke ein. Ich nahm es persönlich.

Nachts lag ich mit zwanzig fremden Briefen in einem engen Postsack und dachte viel über Vergänglichkeit nach. Eine Rechnung neben mir war erstaunlich pessimistisch. Trotzdem hielt ich durch.
Man entwickelt unterwegs eine gewisse Hoffnung. Die stille Sehnsucht, betrachtet und gelesen zu werden von jemandem, der noch staunen kann.

Und dann geschah es.
Eine Hand hob mich aus dem Briefkasten. Erst der Blick auf meine Vorderseite, das Bild. Dann auf den Text. Ich spürte dieses kurze Innehalten. Dieses kleine Verschieben im Gesichtsausdruck. Als hätte im Kopf meines neuen Besitzers plötzlich jemand ein Fenster geöffnet.

Später bekam ich tatsächlich einen Rahmen. Ehrlich gesagt hatte ich eher mit einer Küchenschublade gerechnet. Nun hänge ich an einer Wand und beobachte das Leben dieser Menschen. Manchmal bleiben Gäste vor mir stehen. Manchmal wird über meinen Satz gesprochen.

Erstaunlich eigentlich, was ein kleines Stück Papier ausrichten kann.

Ein paar Linien.
Ein Gedanke.
Eine Reise durch Regen und Sortiermaschinen.

Und am Ende könnte meine Reise tatsächlich so etwas wie einen Sinn haben.
Nicht den großen Weltsinn, von dem Menschen so gern sprechen.

Eher einen kleinen.

Wenn Sie möchten, können Sie Teil meines Projektes werden und diesen Impuls in Ihr Zuhause holen. Teilen Sie mir einfach ihre postalische Anschrift mit.

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