
Die Karte, die geht
Früher hinterließ man Visitenkarten.
Vorausgesetzt, man gehörte zu den Leuten, die welche hatten.
Ich hatte keine, und nun mache ich meine Visitenkarten selbst. Das klingt zunächst nach einer ziemlich umständlichen Idee. Man könnte sie drucken lassen. Hundert Stück. Fünfhundert. Alle gleich. Sauber geschnitten, ordentlich verpackt und jederzeit griffbereit.
Ich sitze stattdessen an meinem Tisch und male.
Auf Umweltpapier. Oder auf schwerem Aquarellpapier, 320 Gramm. Ich nehme meine Aquarellfarben, einige davon stammen aus einer kleinen Manufaktur in Assisi. Dazu Acrylfarbe. Ölkreide. Was ich gerade in der Werkstatt finde.
Dann gebe ich sie weiter. So wird aus einem Stück Papier, das einmal gesellschaftlichen Rang zeigte, ein kleines Kunstwerk, das von einer Hand in die nächste wandert.
Vielleicht steckt jemand sie in die Jackentasche. Findet sie Wochen später wieder. Legt sie auf einen Schreibtisch. Benutzt sie als Lesezeichen. Rahmt sie womöglich sogar ein. Oder sie verschwindet in irgendeiner Schublade zwischen einem alten Schlüssel und einer Kinokarte. Auch gut. Ihre Reise liegt dann außerhalb meiner Hände.











