Ich habe Visitenkarten gemacht wie andere Leute Marmelade einkochen. Mit Hingabe. Mit Farbe an den Fingern. Mit der leisen Hoffnung, dass etwas Haltbares entsteht, das sich auch noch gut anfühlt, wenn man es jemandem reicht.
Dann kam der Moment der Wahrheit. Der Tisch lag voll. Kleine Rechtecke. Große Erwartungen. Und plötzlich schaute mich aus jeder Karte ein winziger Makel an. Ein Strich zu viel. Ein Fleck, der sich breit machte. Ein Buchstabe, der kaum als solcher zu erkennen war.
Also begann das große Aussortieren. Ein leises Massaker. Karte für Karte wanderte auf den Stapel der Gescheiterten. Ich fühlte mich kurz sehr konsequent. Fast streng. Wie ein Kurator.

Am Ende blieben nur wenige Karten übrig. Die, die sich nicht so sehr bemüht hatten, besonders zu sein. Und genau da wird es seltsam. Diese Karten haben etwas. Ganz ohne Kunstgebaren. Ohne Zirkus.

Ich sitze also vor meinen wenigen übrig gebliebenen Karten und muss lachen. So viel Mühe, um am Ende dort zu landen, wo es still wird. Wo etwas gelingt, gerade weil es sich nicht ganz richtig anfühlt.
Vielleicht ist das der eigentliche Luxus. Etwas anzuschauen und zu sagen: Es wackelt. Es lebt. Ich behalte es.
