Warum uns einfache Bilder misstrauisch machen

Die Blüte kennt kein Understatement. Sie hat auch keine Geduld für Sachlichkeit. Kurz vor ihrem Ende verschwendet sie sich. Mit einer kleinen Haube aus Schneekristallen präsentiert sie ihre Farbe als Überschuss. Ein letztes Aufleuchten gegen die große Nüchternheit des Daseins. Und genau dort beginnt das Problem für den ernsthaften Kunstliebhaber. Zu viel Freude. Zu viel Direktheit. Zu wenig intellektuelles Stirnrunzeln.
Kunst hat sich über Jahre angewöhnt, den Umweg zu lieben. Konzept. Bruch. Ironie. Alles kluge Werkzeuge. Nur verlieren sie gelegentlich den Kontakt zur unmittelbaren Erfahrung. Diese Blüte kennt keine Ironie. Sie meint es ernst. Radikal ernst.
Das Foto bietet keinen Fluchtweg. Es fehlt auch ein Diskurs, der sich dazwischenschiebt. Nun ist es leicht die Nase zu rümpfen. Zu gefällig. Zu schön. Zu nah am Postkartenständer. Wer hier gelangweilt abwinkt, schützt sich. Vor der eigenen Rührung, die sich schwer in Worte übersetzen lässt. Abwehr, wie ein tausendfach geübter Reflex.
Farbe berührt. Kein Slogan. Eine Beobachtung.
