Tee & Freundschaft – Gedanken
Tee trinken. Nicht zwischen Tür und Angel. Kein beliebiger Beutel mit einem weißen Faden, der über den Tassenrand baumelt. Ausgesuchter Tee. Ein freier Nachmittag.
Ich trinke ihn aus Schalen oder aus Bechern. Die englische Teatime mit ihren Gurkensandwiches überlasse ich den Engländern. Die japanische Teezeremonie bewundere ich aus respektvoller Entfernung. Auf meinem Tisch steht ein guter chinesischer Oolong. Mehr braucht es selten.
Vielleicht doch.
Freunde.
Die passenden Freunde natürlich. Menschen mit offenen Sinnen. Menschen, die einen Duft wahrnehmen, bevor sie nach seinem Namen fragen. Menschen, die Farben schmecken und Geschmäcker erinnern können.
Dann beginnt etwas Eigenartiges.
Das leise Klirren des Deckels. Das Geräusch des eingegossenen Wassers. Ein Hauch von Orchidee, Holz oder Honig, der für einen Augenblick im Raum verweilt. Jemand hebt die Schale. Jemand nickt. Mehr geschieht kaum.
Und doch geschieht alles.
Die besten Gespräche entstehen oft am Rand des Schweigens. Sie sitzen zwischen zwei Schlucken und warten geduldig. Man muss sie nicht herbeirufen.
Vielleicht ähnelt Freundschaft deshalb einem guten Tee.
Der erste Aufguss verrät wenig. Manches wirkt herb. Manches verschlossen. Erst die Zeit lockert die Blätter. Langsam gibt der Tee preis, was in ihm verborgen lag. Mit Menschen verhält es sich ähnlich.
Man lernt einander in Schichten kennen.
Nicht durch große Gesten. Durch Nachmittage. Durch Wiederholungen. Durch das unaufgeregte Dasein des anderen.
Bei einem guten Oolong erscheint nach dem Schlucken ein zweiter Geschmack. Die Chinesen sprechen vom wiederkehrenden Duft und Geschmack. Er kommt leise. Fast zögernd. Als hätte der Tee noch etwas vergessen und kehre deshalb noch einmal zurück.
Manche Freundschaften besitzen dieselbe Eigenschaft.
Man geht auseinander.
Und Stunden später sitzt der andere noch immer mit am Tisch.









