Vor einiger Zeit habe ich angefangen, meine Visitenkarten selbst zu malen.
Eigentlich war es nur eine kleine Spielerei. Inzwischen liegen oft ein paar Dutzend Karten vor mir auf dem Tisch. Kleine Rechtecke aus Papier. Daneben ein Wasserglas, ein paar Farben, Tusche und Pinsel. Dann wird es still. Ich beginne einfach.
Manchmal entsteht eine Blüte. Manchmal ein Gesicht. Manchmal etwas, das ich selbst nicht benennen könnte. Das muss ich auch gar nicht. Die Karten kommen erstaunlich gut ohne meine Erklärungen aus. Was mich immer wieder verblüfft, geschieht ganz am Schluss. Ich nehme eine fertige Karte in die Hand und sehe sie an, als hätte sie jemand anderes gemalt. Dabei saß ich die ganze Zeit davor.

Ich muss dann lächeln.
Ein paar Minuten später bekommt sie auf der Rückseite einen schlichten Stempel mit meinem Namen. Das war’s schon. Dann darf sie weiterziehen. Ich gebe sie gerne weg. Vielleicht sogar lieber, als sie zu behalten. Dieser Gedanke hat mich selbst überrascht. Schließlich steckt in jeder Karte ein Stück meiner Zeit. Und Zeit gehört zu den wenigen Dingen, die sich niemand zurückholen kann.
Trotzdem fällt mir das Schenken leicht.
Vielleicht sogar gerade deshalb. Ich stelle mir manchmal vor, wie eine dieser Karten irgendwann zwischen den Seiten eines Buches wieder auftaucht. Oder aus einer Manteltasche fällt. Vielleicht streicht jemand mit den Fingern über eine kleine erhabene Farbspur. Vielleicht lächelt dieser Mensch einen kurzen Moment. Mehr wünsche ich mir gar nicht.
Irgendwann tauchte für all das ein Wort auf.
Berührgut.
Seitdem begleitet es mich. Ich mag Wörter, die sich erst langsam öffnen. Berührgut gehört dazu. Es erklärt nichts. Es lässt Platz. Genau wie diese kleinen Karten.
Vielleicht tragen sie ein wenig Freude in die Welt.
Vielleicht sind sie auch bloß ein Stück Papier.
Für mich macht das erstaunlich wenig Unterschied.
