Tag 15 der Reise – Einmal Hölle und zurück

Der Tag beginnt wie im Bilderbuch. Strahlender Sonnenschein durchflutet mein Zimmer, die Vögel zwitschern fröhlich und die Nacht war so erholsam, als hätte ich auf einer Wolke geschlafen. Ich schnappe mir mein Auto und steuere Richtung Küste, genauer gesagt die apuanische Riviera und das kleine Dorf Vernazza. Luftlinie? Nur schlappe 53 Kilometer. Fahrzeit? Na ja, gefühlt eine halbe Ewigkeit, gemessen: mehr als zwei Stunden. Und dann sind da noch diese Fast-Unfälle mit den Franzosen und ihren schicken Autos: gefühlt mindestens 20. Es scheint, als hätten sich sämtliche Franzosen, die im Urlaub sind, ausgerechnet in dieser Gegend versammelt. Schade nur, dass sie mit den haarsträubenden Serpentinen nicht so recht klarkommen. Da kreuzt mal eben ein Renault meinen Weg, der viel zu eng ist und ein Peugeot überholt in einer Kurve. Himmel hilf….
Und dann das Dorf selbst. Ein Meer aus Menschenmassen erwartet mich. Alle sind entweder mit der Bahn oder dem Schiff gekommen.

Die Bahnlinie verbindet die schönsten Dörfer der Gegend in gerader Linie und ist das Transportmittel der Wahl für die Instagram-Besucher aus aller Welt – Asien, Amerika und natürlich, wie könnte es anders sein, Frankreich. Hin und wieder mischen sich auch ein paar Deutsche unter die Menge. Und mittendrin stehe ich. Aber nicht lange. Fast panisch mache ich kehrt und flüchte zurück zum Ausgangspunkt, um mich stattdessen in La Spezia wiederzufinden. Doch auch hier keine Ruhe vor dem Touristenstrom. Nur andere Menschen. Ältere Herrschaften liegen an einem Strand, der aussieht, als hätte die Zeit hier vor Jahrzehnten angehalten. Sie bräunen sich in der Sonne, als gäbe es keinen Morgen mehr. Es ist, als hätte mich eine Zeitmaschine direkt in die 50er Jahre katapultiert.
Schließlich ziehe ich mich frustriert in die Berge zurück, in mein gemütliches Apartment. Ein Glas Weißwein und ein selbst gemachter Fenchelsalat mit Dorade sind meine Rettung. Hier, zwischen den majestätischen apuanischen Alpen finde ich endlich die Ruhe, die ich gesucht habe. Und während ich den Sonnenuntergang über den Gipfeln beobachte, denke ich mir: Manchmal ist es eben doch besser, den Massen zu entfliehen und die Schönheit der Natur in stiller Einsamkeit zu genießen. Oder zumindest mit einem Glas Wein und meinem selbstgemachten Fenchelsalat.

Tag 14 der Reise – Märklinpanorama

Tag 14 – Ruhen, Wandern und Abendessen: Eine Ode an die apuanischen Alpen

Heute stand der Tag ganz im Zeichen von Entspannung und Erholung. Kein Hetzen, kein Stress. Nur die pure Freude am Erleben der apuanischen Alpen, diesem versteckten Juwel ganz in der Nähe des Meeres.
Die Apuanischen Alpen – ein Paradies für Wanderer und Draufgänger auf zwei Rädern. Ich kann nicht anders, als zu glauben, dass jeder durchschnittliche Italiener entweder einen schnittigen Sportwagen oder ein Rennrad mit gefühlten 102 Gängen besitzt, um von A nach B zu gelangen. Zu Fuß unterwegs? Nur, wenn der Hund nach seinem täglichen Auslauf verlangt.
Aber zurück zu meiner eigenen Erfahrung in diesen majestätischen Bergen. Der Himmel scheint heute besonders freundlich gesinnt zu sein. Die Luft ist mild, die Sonne strahlt herzlich und nur dekorative Wolken in Sicht. Abends begleiten mich hell leuchtende Glühwürmchen auf meinem Weg, während in der Ferne die Wachhunde ihren Job ernst nehmen und bellend ihr Revier verteidigen. Über mir flattern Fledermäuse umher, um sich dann geschickt in den Ritzen der Hausdächer zu verstecken. Ihr leises Kratzen ist fast schon beruhigend. Doch leider gibt es auch eine kleine Enttäuschung: Die flatterhaften Vampire und die funkelnden Glühwürmchen erweisen sich als äußerst fotoscheu. Ein Umstand, den ich etwas doof finde. Aber nun ja, vielleicht soll dieser Zauber der Alpen einfach unbeschreiblich bleiben.
Ich lasse also ausnahmsweise die Kamera beiseite und nehme mir vor, diesen Moment in vollen Zügen zu genießen. Schließlich gibt es nicht viele Orte auf der Welt, wo man so nah bei den Sternen und dem Meer zugleich sein kann. Und diese Kombination ist unbezahlbar.
Deswegen gibt es heute auch nur ein einziges Foto. Es steht stellvertretend für all die anderen, die ich gern gemacht hätte.

Tag 13 der Reise – von Null auf 1000 Meter

Nachdem ich die malerischen Strände und die entspannte Atmosphäre auf Elba genossen habe, beschließe ich, weiterzuziehen. Der schiefe Turm von Pisa hat mich schon immer fasziniert – vielleicht liegt es daran, dass ich eine Schwäche für schräge Dinge habe. Also mache ich mich auf den Weg dorthin, in der Hoffnung, dass der Turm nicht irgendwann so schief ist, dass er umkippt und als italienische Variante des Dominostein-Spiels endet.
Angekommen in Pisa werde ich schnell von der Armee der Touristen überwältigt, die den schiefen Koloss umlagern. Es fühlt sich an, als hätte jemand einen riesigen Magneten aufgestellt und sämtliche Selfie-Sticks der Welt angezogen. Ich frage mich, ob der Turm demnächst als Hauptattraktion in einem chinesischen Themenpark enden wird. Aber hey, zumindest kann ich behaupten, dass ich auf dem Arno spaziert bin – nicht der Freund aus meiner Heimat, sondern der Fluss hier. Lustig, wie das Leben manchmal spielt.

Nach diesem touristischen Spektakel sehne ich mich nach Ruhe und Stille, also mache ich mich auf den Weg in die apuanischen Alpen zwischen Lucca und La Spezia. Dort soll es ein abgelegenes Bergdorf geben, das sich zu einem Refugium für Künstler gemausert hat. Das klingt genau nach meinem Geschmack.
Als ich endlich das Dorf erreiche, bin ich überwältigt von seiner Schönheit und Ruhe. Es ist so still, dass ich die Streitereien der Nachbarfamilien auf dem Berg nebenan hören kann – ein kostenloser Live-Podcast direkt vor meiner Tür. Und die Vögel – ach, die Vögel! Sie tratschen wie alte Klatschweiber und berichten sich gegenseitig, wie ihr Tag so war. Der Weg zu meinem Apartment führt über viele Stufen und dunkle Gänge. Es ist ein Ort, wie aus der Zeit gefallen, abgesehen von den Schwalben, die um mich herumschwirren. Ach, ist das schön hier.
Hier werde ich definitiv ein paar Tage bleiben, die Stille genießen und vielleicht ein Meisterwerk schaffen – oder zumindest ein paar inspirierende Skizzen.

Übrigens, Stubentiger gibt es hier auch.

Tag 12 der Reise – Kreuz und quer auf Elba

Das Wetter hier auf Elba ist so unentschlossen wie eine Gruppe Frauen beim Pizza bestellen. Eine Minute strahlt die Sonne vom Himmel, die nächste versteckt sie sich hinter einer Wand aus wütenden Wolken. Aber hey, ich beschwere mich nicht. Schließlich sorgt dieser Wechselreichtum für eine Art Natur-Disco, nur ohne Eintrittsgebühr.
Elba ist so ein Ort, der einfach alles hat. Wälder zum Verlaufen, Strände zum Träumen und ein Meer, das aussieht, als hätte es seinen eigenen Instagram-Filter. Von türkis bis zu einem tiefen Blau, das selbst Picasso neidisch machen würde. Und mittendrin? Eine Mini-Insel, als hätte jemand vergessen, den letzten Tupfer Farbe auf der Palette zu benutzen. Oben drauf thront eine Festung, vermutlich, um all die Farbenpracht von oben zu bewundern. Oder vielleicht, um einfach nur ein gutes Panorama für Selfies zu haben.
Aber das eigentliche Highlight meines Tages? Ein Hund. Ja, so ein flauschiger Pudel, der perfekt den toten Hund spielt und die Touristen in einen Schockzustand versetzt. Sekunden später erwacht er dann zum Leben und genießt die Aufmerksamkeit sowie intensive Streicheleinheiten wie ein Hollywood-Star auf dem roten Teppich. Einfach göttlich.
Das zweite Highlight? Eine Möwe mit Nachwuchs. Ich meine, ich habe schon Möwen gesehen, aber noch nie so nah und persönlich. Es war fast so, als würde ich an einer Reality-Show für Vögel teilnehmen.
Ansonsten? Nun ja, viel Trubel auf der Insel. Zu viel Geld und zu viele Touristen, die ihre Socken in Sandalen stecken. Nicht unbedingt mein Ding, deshalb geht es morgen wieder von dieser Insel runter. Wohin? Keine Ahnung.

Tag 11 der Reise – Verbannung auf Elba

Auf den Spuren Napoleons und mitten im Meer der modernen Touristenströme habe ich meine Landung auf der Insel Elba vollzogen. Gerade noch auf dem Festland, dann auf einer Fähre und schwuppdiwupp befand ich mich auf der weltberühmten Insel Elba. Ja, genau, der Verbannungsort Napoleons. Ein bisschen wie das Sylt der Italiener, nur mit mehr Sonne und weniger Friesennerz.
Und… hier auf Elba bekommt man frischen Fisch. Ehrlich, den besten, den ich je gegessen habe. Ich könnte schwören, dass die Meeresbrise ihm einen Hauch von Magie verleiht. Oder vielleicht sind es einfach die italienischen Köche, die selbst aus einem Schuh eine Delikatesse zaubern könnten.
Aber zurück zur Insel selbst. Ein wahrer Augenschmaus, wenn man von den waghalsigen italienischen Autofahrern absieht, die einem das Herz bis zum Hals schlagen lassen. Auch heute habe ich es jedoch geschafft, mein Auto ohne Beulen und Kratzer durch den Verkehr zu manövrieren. Meinem Schutzengel sei Dank, oder vielleicht auch den unzähligen Hupkonzerten, die mich wie ein wachsames Orchester durch die engen Straßen geleitet haben.
Die Landschaft ist atemberaubend, die Geschichte faszinierend, und das Essen – nun ja, das spricht für sich. Elba hat definitiv mehr zu bieten als nur die Erinnerung an einen französischen Kaiser. Es ist eine kleine Welt für sich, die es zu entdecken gilt, zwischen den schroffen Klippen und den versteckten Buchten, wo man sich fühlt, als wäre man der einzige Mensch auf der Welt. Bis natürlich ein Roller vorbeirauscht und einem wieder bewusst macht, dass man sich mitten im italienischen Leben befindet. Aber das ist auch irgendwie das Schöne an Elba – eine Insel voller Kontraste, die einen immer wieder überrascht.

Die beste Entdeckung ist jedoch der wunderbare Sandstrand, der aus unzähligen kleinen Edelsteinen, Muschelschalen und glattgeschliffenem Glas besteht. Das Große im Kleinen entdecken…

Tag 10 der Italienreise – Assisi

Der heilige Franz. Ein Typ, der wohl so viele Tierfreunde inspiriert hat wie die „Cute Cat Videos“ im Internet. Seit Jahren trage ich sein Zeichen, das Tau, bei mir. Es fühlt sich irgendwie näher an als das Kreuz. Heute steht Assisi auf dem Programm, die Stadt des Franziskus. Kaum angekommen, zeigt sich der Segen meines „Elektronischen-BiP-Dings“ im Auto. In Italien, Frankreich, Spanien und Portugal muss ich an den Mautstellen nicht mehr anhalten. Die Maut wird einfach von meinem Konto abgezogen. Praktisch, oder? Und heute erfahre ich, dass man mit dem Telepas (so heißt das Ding in Italien) sogar Parkplätze ansteuern kann. Genial. Während die anderen in endlosen Schlangen warten, fahre ich einfach vorbei, es macht „Bip“ und schwups, bin ich drin und auch wieder draußen.
Aber zurück zu Assisi. Ein Magnet für Touristen, das ist klar. Und wie es so ist, wird man hier an allen Ecken und Enden zur Kasse gebeten. Ein Bier für sieben Euro und das Essen hat auch seinen stolzen Preis. Wahnsinn. Auf dem Rückweg entdecke ich ein Geschäft für Aquarellfarben. Sie haben neben hunderten von handgemachten Farben einen wunderschönen Farbkasten aus Kirschholz, genau das Richtige für meine Reise. Drei kleine Reisepinsel passen auch noch hinein. Jetzt haben sie einen Kasten weniger, aber ich habe ein neues Schätzchen in meiner Sammlung. Südhaft teuer, aber… es war einfach unverzichtbar.

Von Assisi geht es weiter nach Spello, noch ein Bergdorf, aber auch hier: Schön, teuer und voller Menschen. Aber was erwartet man an einem Sonntag bei diesem fantastischen Wetter? Schnell ein paar Fotos gemacht und weiter geht’s. In der Unterkunft angekommen reicht es nur noch für eine Stulle mit Schinken und Tomate und den Rest eines Teilchens mit dem wunderbaren Namen: „Rocciata di Assisi“ – es sollen Aprikosen, Äpfel, Walnüsse, Pinienkerne, Mandeln und Zimt drin sein. Geschmeckt hat es, aber auch in diesem Fall: Viel zu teuer.
Morgen steht Elba auf dem Plan. Napoleons unfreiwilliges Exil.

Die Katzen in meiner Unterkunft sind auch wieder da. Sie haben mich zum Futterlieferanten erklärt und fressen wirklich alles. Da sollten sich die deutschen Katzen mal ein Beispiel nehmen.

Tag 9 der Italienreise – Nocera (Umbrien)

Direkt aus dem Bauch der Fähre lande ich im Herzen von Umbrien. Nicht mal eine Stunde auf italienischem Boden und schon stehe ich vor dem Eingang einer der großartigsten Höhlen, die die Natur zu bieten hat. Ich spüre ein Kribbeln im Bauch, das sich nicht nur auf die hohen Wellen während der Überfahrt zurückführen lässt, sondern auch auf die Vorfreude, die mich erfüllt. Der Gedanke daran, in die Tiefen der Erde hinabzusteigen, lässt mein Abenteurerherz höherschlagen.
Die Höhle empfängt mich mit offenen Armen, oder besser gesagt, mit steinernen Armen. In ihren verwinkelten Gängen und Hallen entdecke ich versteinerte Gestalten, die aussehen wie Überbleibsel aus längst vergangenen Zeiten. Da ist der versteinerte Troll, der mich mit seinen steinernen Augen herausfordernd anblickt, und dort drüben lugt ein Drache aus einer Ecke hervor, als ob er gleich Feuer speien würde. Ein wahres Märchenland, das meine Fantasie beflügelt und mir das Gefühl gibt, als könnte jede Ecke ein neues Wunder offenbaren. Wenn mir hier und jetzt eine Fee begegnen würde und mir einen Wunsch gewähren könnte, ich wäre nicht im Geringsten überrascht.
Zwei Stunden lang tauche ich ein in dieses faszinierende Reich der Stalaktiten und Stalagmiten, bevor es Zeit wird, die Höhle zu verlassen und die nächsten Abenteuer anzugehen. Ein kurzer Blick auf meine Uhr und schon breche ich auf zu neuen Höhen – buchstäblich. Die Berge von Umbrien rufen und ich folge ihrem lockenden Ruf.
Hoch oben in einem malerischen Bergdorf finde ich mein Quartier für die nächsten Tage. Kaum habe ich die Tür zu meinem Haus geöffnet, werde ich von drei hungrigen Katzen begrüßt, die scheinbar beschlossen haben, mich als ihren neuen besten Freund zu adoptieren. Sie fressen mir nicht nur aus der Hand, sondern alles, was ich ihnen anbiete. Gut, dass ich immer etwas Proviant dabei habe – ein kleiner Beitrag zur Freundschaft zwischen Mensch und Tier, sozusagen.
Abends werde ich in einem typisch umbrischen Restaurant zu Gast sein. Die Vorspeise: Spaghetti mit Trüffeln. Ein wahrer Gaumenschmaus, das mich darüber nachdenken lässt, wie anders doch die kulinarischen Genüsse zwischen den Ländern sein können. Wenn ich an meine Erfahrungen in Albanien zurückdenke, mit all den stark gegrillten Speisen, muss ich unwillkürlich schmunzeln. Italien ist eben Italien – und das ist gut so.

Tag 8 der Reise – aus der Balkanreise wird eine Schiffsreise

Albanien, das Land der Überraschungen! Hier fühlt es sich an, als wäre die Zeit vor 50 Jahren stehengeblieben. Männer mit Charakter, die sich vermutlich wünschen, sie könnten wie die Ritter von einst mit Lanzen aus ihren Autos andere Autofahrer aufspießen. Doch ich bin kein Abenteurer aus vergangenen Zeiten und eine Lanze habe ich auch nicht, also habe ich spontan meine Reisepläne geändert. Statt auf holprigen Straßen mit Schlaglöchern, tief wie der Grand Canyon, durch das Land zu fahren, habe ich mich für eine etwas entspanntere Variante entschieden: eine Schiffsreise Richtung Italien.
Nachdem ich sämtliche Zoll- und Sicherheitskontrollen passiert habe, stehe ich nun auf dem Deck einer etwas in die Jahre gekommenen Fähre. Mein Auto ist ganz vorne auf dem Schiff geparkt, zwischen anderen Fahrzeugen eingezwängt. Mit viel Einsatz und einer gehörigen Portion Anweisungen und Trillerpfeifensignalen vom energischen Personal finde ich den Weg dorthin. Ein paar Fahrer um mich herum wirken eher verzweifelt, aber am Ende passen wir alle irgendwie zusammen – ein bunter Mix aus Fahrzeugen und Emotionen.

Die Nacht wird lang sein, denn die Fahrt dauert etwa 16 Stunden. Das Meer ist ein bisschen unruhig, der Seewetterbericht verspricht Windstärken von 4 bis 7. Na, das kann ja lustig werden!
Der nächste Bericht kommt dann wohl aus Bella Italia. Mal sehen, was das Land der Pasta und Pizza zu bieten hat!

Tag 7 der Balkanreise – Durrës (Albanien)

Oh weh. Hier bin ich, mitten in Albanien. Die Reise begann so wunderschön in dieses faszinierende Land.

Doch dann… was soll ich sagen? Es ist wirklich ein besonderes Erlebnis hier. Mein erster Stopp: Eine Bar/Restaurant. Der Espresso für 70 Cent, der Wolfsbarsch für 10 Euro. Endlich einmal ein gutes Preis-Leistungsverhältnis. Doch dann: Alarm! Der Fluss nebenan ist vergiftet. Überall schwimmen Öldosen und anderes Zeugs. Oh. Ob mein Fisch..? Nein, der kommt bestimmt nicht aus diesem Fluss.
Entlang der Straßen nach Tirana erstreckt sich ein endloses Gewerbegebiet. Die Hauptindustrie? Autos und Autoteile. Alle paar Meter stolpert man über eine Autowaschanlage. Naja, zumindest würde ich es so bezeichnen.
Die Autofahrer hier – und davon gibt es viele – sind unglaublich risikofreudig. Man möchte fast dem Porsche-Fahrer, der waghalsig überholt, zurufen: „Pass auf dein Auto auf!“ Und man kann beinahe hören, wie er erwidert: „Warum? Es hat doch so gut wie nichts gekostet!“
Albanien und seine Straßen sind wirklich eine echte Erfahrung. Es ist definitiv nichts für schwache Nerven. Vielleicht ist es in den Bergen etwas entspannter, aber hier an der Küste? Au weia.

Für diese Nacht habe ich mir eine noble Unterkunft irgendwo am Strand gegönnt. Sie wirkt ein wenig apokalyptisch auf mich. Umgeben von Armut und Müll, doch innerhalb des Hotelkomplexes erwartet mich purer Luxus. Bewachter Parkplatz, Marmor im Bad, himmlisch weiche Betten und köstliches Essen zu absurd günstigen Preisen (eine Dorade mit gegrilltem Gemüse für sagenhafte 11 Euro). Dazu noch mein eigener Strandabschnitt mit Pool und Bar. Und so weiter, und so weiter… Aber das ist nichts für mich.

Die Fährüberfahrt nach Italien ist bereits gebucht. Morgen um zwei geht es zurück ins alte Europa.
Nordgriechenland, wie ursprünglich geplant? Nein, das ist wohl eher etwas für mein nächstes Leben.

Was es sonst noch zu berichten gibt? Die Kühlbox, die mit der Solaranlage über die Powerstation mit Strom versorgt wird, funktioniert einwandfrei. Ich reagiere immer noch nicht allergisch gegen Bier und das Auto läuft wie eine Eins.

Tschüss. Für heute.

Tag 6 der Balkanreise – Risan und Bigovo

Fruehstueck in Risan

Das Frühstück an dem kleinen Picknicktisch am Mini-Hafen vor meiner Unterkunft ist einfach, aber nahrhaft. Über mir blüht der persische Flieder und verströmt einen betörenden Geruch, der mich an die guten alten Zeiten erinnert – an die Zeit, als ich klein war und meine Oma noch lebte. Mit ihr verbinde ich einen Duft aus Kölnischwasser, Puder und einer ganzen Reihe anderer seltsamer Dinge, die ich nicht einmal benennen kann.
Während ich meinen Kaffee aus dem Blechbecher schlürfe, stelle ich mir vor, wie Marco Polo einst diesen kleinen Hafen vor seinem Lagerhaus anlegen ließ. Es muss so gewesen sein. Unbedingt. Immerhin ist es der perfekte Ort, um geheimnisvolle Waren zu lagern und sie unbeobachtet für den Verkauf vorzubereiten. Das Haus, das Marco Polo einst und ich die letzte Nacht, bewohnte, ist riesig – ein beeindruckendes Gebäude, das ich nur teilweise erkunden konnte. Einen Keller habe ich dabei überhaupt nicht entdeckt, obwohl ich fest davon überzeugt war, dass es ein riesiges Gewölbe sein müsste. Ich stellte mir vor, wie es von Fackeln erhellt und von seltsamen Wesen bewacht wird. Doch leider blieb mir dieser Blick in die Tiefe verwehrt. Übrigens: Die Matratze in Marco Polos Apartment war weich. Der Schlaf war fest. Die Träume seicht. 😊

Risan, die älteste Stadt Montenegros, atmet noch immer den Geist ihrer venezianischen Vergangenheit. Die alten Gebäude erzählen Geschichten von vergangenen Zeiten, als die Stadt ein bedeutender Handelsposten war. Heute ist sie zwar weniger geschäftig, aber ihr Charme ist ungebrochen. Während ich durch die engen Gassen schlendere, fühle ich mich wie auf einer Zeitreise, zurück in eine Ära, in der der Handel florierte und Abenteuer hinter jeder Ecke lauerten.
Es ist faszinierend, wie sich die Geschichte in den Mauern dieser Stadt manifestiert hat – von den antiken römischen Ruinen bis hin zu den gut erhaltenen venezianischen Palästen. Jeder Stein erzählt eine Geschichte, und es ist, als könnte man die Vergangenheit förmlich spüren, während man durch die Straßen schlendert. Auch der Kontrast zu den Bausünden aus der Ära Tito, als Montenegro noch ein Teil Jugoslawiens war ist eher interessant, als störend.
Aber jetzt ist es Zeit, weiterzuziehen und neue Abenteuer zu erleben. Wer weiß, welche Geschichten und Entdeckungen an meinem nächsten Reiseziel auf mich warten.

Heute sitze ich in einem eleganten Restaurant in Bigovo, einem kleinen Flecken Erde, der sich als Domizil für den heutigen Tag herauskristallisiert hat. Ein geschäftstüchtiger Unternehmer hat das Vermieten von Apartments in „seiner Bucht“ zu seinem Lebenselixier gemacht. Ein Restaurant gehört dazu und ein Shuttle-Service, der die Menschen von ihren Booten direkt zum Restaurant befördert, vervollständigt das Bild. Ich beobachte das Treiben interessiert. Es wie Kino, nur in echt.
Reiche Menschen scheinen sich hier zu versammeln, als wäre es ein heiliger Ort für diejenigen, die in Geld schwimmen. Noch nie habe ich so viele Menschen mit Schönheitsoperationen gesehen. Elegante – sprich teure – Kleidung und goldene Sonnenbrillen dominieren das Bild. Die Gespräche sind laut, die Bestellungen bei den Kellnern erfolgen mit einer tausendfach geübten Lässigkeit. Eine Languste wird bestellt, landet jedoch nie auf dem Tisch, denn eines der Kinder findet es grausam, sie einfach in der Mitte zu durchtrennen und so zu servieren. Fast hätte ich mich als Resteverwerter angeboten…
Vorher ein kurzer Besuch in Kotor, dort wo die Kreuzfahrer ihre Passagiere für ein paar Stunden ausspucken, nur um sie dann wieder einzuladen, nach ihrem Besuch im „Weltkulturerbe Altstadt Kotor“.

Es ist halb sieben, die Schwalben fliegen tief, und zum ersten Mal auf dieser Reise beginnt es zu regnen. Morgen soll es kälter werden. Und ehrlich gesagt, finde ich das ziemlich gut. Immer nur Sonne kann auch ganz schön langweilig sein. Es ist, als würde die Natur uns hier in Bigovo eine kleine Abwechslung gönnen, um die Luxusyachten und die goldumrandeten Sonnenbrillen zu kontrastieren. Es ist, als würde sie uns daran erinnern, dass nicht alles im Leben so glänzend und makellos ist wie die Oberfläche dieses Meeres, auf dem die Reichen wie moderne Seenomaden leben.

Kleiner Nachtrag: Gewitter im Süden Europas scheinen eine andere Qualität, als in Deutschland zu haben. Gefühlt geht hier gerade die Welt unter. Meine kleine Welt zumindest. Ach, ich weiß nicht, ob ich es schön oder gruselig finden soll?