Nachdem ich die malerischen Strände und die entspannte Atmosphäre auf Elba genossen habe, beschließe ich, weiterzuziehen. Der schiefe Turm von Pisa hat mich schon immer fasziniert – vielleicht liegt es daran, dass ich eine Schwäche für schräge Dinge habe. Also mache ich mich auf den Weg dorthin, in der Hoffnung, dass der Turm nicht irgendwann so schief ist, dass er umkippt und als italienische Variante des Dominostein-Spiels endet. Angekommen in Pisa werde ich schnell von der Armee der Touristen überwältigt, die den schiefen Koloss umlagern. Es fühlt sich an, als hätte jemand einen riesigen Magneten aufgestellt und sämtliche Selfie-Sticks der Welt angezogen. Ich frage mich, ob der Turm demnächst als Hauptattraktion in einem chinesischen Themenpark enden wird. Aber hey, zumindest kann ich behaupten, dass ich auf dem Arno spaziert bin – nicht der Freund aus meiner Heimat, sondern der Fluss hier. Lustig, wie das Leben manchmal spielt.
Nach diesem touristischen Spektakel sehne ich mich nach Ruhe und Stille, also mache ich mich auf den Weg in die apuanischen Alpen zwischen Lucca und La Spezia. Dort soll es ein abgelegenes Bergdorf geben, das sich zu einem Refugium für Künstler gemausert hat. Das klingt genau nach meinem Geschmack. Als ich endlich das Dorf erreiche, bin ich überwältigt von seiner Schönheit und Ruhe. Es ist so still, dass ich die Streitereien der Nachbarfamilien auf dem Berg nebenan hören kann – ein kostenloser Live-Podcast direkt vor meiner Tür. Und die Vögel – ach, die Vögel! Sie tratschen wie alte Klatschweiber und berichten sich gegenseitig, wie ihr Tag so war. Der Weg zu meinem Apartment führt über viele Stufen und dunkle Gänge. Es ist ein Ort, wie aus der Zeit gefallen, abgesehen von den Schwalben, die um mich herumschwirren. Ach, ist das schön hier. Hier werde ich definitiv ein paar Tage bleiben, die Stille genießen und vielleicht ein Meisterwerk schaffen – oder zumindest ein paar inspirierende Skizzen.
Das Wetter hier auf Elba ist so unentschlossen wie eine Gruppe Frauen beim Pizza bestellen. Eine Minute strahlt die Sonne vom Himmel, die nächste versteckt sie sich hinter einer Wand aus wütenden Wolken. Aber hey, ich beschwere mich nicht. Schließlich sorgt dieser Wechselreichtum für eine Art Natur-Disco, nur ohne Eintrittsgebühr. Elba ist so ein Ort, der einfach alles hat. Wälder zum Verlaufen, Strände zum Träumen und ein Meer, das aussieht, als hätte es seinen eigenen Instagram-Filter. Von türkis bis zu einem tiefen Blau, das selbst Picasso neidisch machen würde. Und mittendrin? Eine Mini-Insel, als hätte jemand vergessen, den letzten Tupfer Farbe auf der Palette zu benutzen. Oben drauf thront eine Festung, vermutlich, um all die Farbenpracht von oben zu bewundern. Oder vielleicht, um einfach nur ein gutes Panorama für Selfies zu haben. Aber das eigentliche Highlight meines Tages? Ein Hund. Ja, so ein flauschiger Pudel, der perfekt den toten Hund spielt und die Touristen in einen Schockzustand versetzt. Sekunden später erwacht er dann zum Leben und genießt die Aufmerksamkeit sowie intensive Streicheleinheiten wie ein Hollywood-Star auf dem roten Teppich. Einfach göttlich. Das zweite Highlight? Eine Möwe mit Nachwuchs. Ich meine, ich habe schon Möwen gesehen, aber noch nie so nah und persönlich. Es war fast so, als würde ich an einer Reality-Show für Vögel teilnehmen. Ansonsten? Nun ja, viel Trubel auf der Insel. Zu viel Geld und zu viele Touristen, die ihre Socken in Sandalen stecken. Nicht unbedingt mein Ding, deshalb geht es morgen wieder von dieser Insel runter. Wohin? Keine Ahnung.
Auf den Spuren Napoleons und mitten im Meer der modernen Touristenströme habe ich meine Landung auf der Insel Elba vollzogen. Gerade noch auf dem Festland, dann auf einer Fähre und schwuppdiwupp befand ich mich auf der weltberühmten Insel Elba. Ja, genau, der Verbannungsort Napoleons. Ein bisschen wie das Sylt der Italiener, nur mit mehr Sonne und weniger Friesennerz. Und… hier auf Elba bekommt man frischen Fisch. Ehrlich, den besten, den ich je gegessen habe. Ich könnte schwören, dass die Meeresbrise ihm einen Hauch von Magie verleiht. Oder vielleicht sind es einfach die italienischen Köche, die selbst aus einem Schuh eine Delikatesse zaubern könnten. Aber zurück zur Insel selbst. Ein wahrer Augenschmaus, wenn man von den waghalsigen italienischen Autofahrern absieht, die einem das Herz bis zum Hals schlagen lassen. Auch heute habe ich es jedoch geschafft, mein Auto ohne Beulen und Kratzer durch den Verkehr zu manövrieren. Meinem Schutzengel sei Dank, oder vielleicht auch den unzähligen Hupkonzerten, die mich wie ein wachsames Orchester durch die engen Straßen geleitet haben. Die Landschaft ist atemberaubend, die Geschichte faszinierend, und das Essen – nun ja, das spricht für sich. Elba hat definitiv mehr zu bieten als nur die Erinnerung an einen französischen Kaiser. Es ist eine kleine Welt für sich, die es zu entdecken gilt, zwischen den schroffen Klippen und den versteckten Buchten, wo man sich fühlt, als wäre man der einzige Mensch auf der Welt. Bis natürlich ein Roller vorbeirauscht und einem wieder bewusst macht, dass man sich mitten im italienischen Leben befindet. Aber das ist auch irgendwie das Schöne an Elba – eine Insel voller Kontraste, die einen immer wieder überrascht.
Die beste Entdeckung ist jedoch der wunderbare Sandstrand, der aus unzähligen kleinen Edelsteinen, Muschelschalen und glattgeschliffenem Glas besteht. Das Große im Kleinen entdecken…
Der heilige Franz. Ein Typ, der wohl so viele Tierfreunde inspiriert hat wie die „Cute Cat Videos“ im Internet. Seit Jahren trage ich sein Zeichen, das Tau, bei mir. Es fühlt sich irgendwie näher an als das Kreuz. Heute steht Assisi auf dem Programm, die Stadt des Franziskus. Kaum angekommen, zeigt sich der Segen meines „Elektronischen-BiP-Dings“ im Auto. In Italien, Frankreich, Spanien und Portugal muss ich an den Mautstellen nicht mehr anhalten. Die Maut wird einfach von meinem Konto abgezogen. Praktisch, oder? Und heute erfahre ich, dass man mit dem Telepas (so heißt das Ding in Italien) sogar Parkplätze ansteuern kann. Genial. Während die anderen in endlosen Schlangen warten, fahre ich einfach vorbei, es macht „Bip“ und schwups, bin ich drin und auch wieder draußen. Aber zurück zu Assisi. Ein Magnet für Touristen, das ist klar. Und wie es so ist, wird man hier an allen Ecken und Enden zur Kasse gebeten. Ein Bier für sieben Euro und das Essen hat auch seinen stolzen Preis. Wahnsinn. Auf dem Rückweg entdecke ich ein Geschäft für Aquarellfarben. Sie haben neben hunderten von handgemachten Farben einen wunderschönen Farbkasten aus Kirschholz, genau das Richtige für meine Reise. Drei kleine Reisepinsel passen auch noch hinein. Jetzt haben sie einen Kasten weniger, aber ich habe ein neues Schätzchen in meiner Sammlung. Südhaft teuer, aber… es war einfach unverzichtbar.
Von Assisi geht es weiter nach Spello, noch ein Bergdorf, aber auch hier: Schön, teuer und voller Menschen. Aber was erwartet man an einem Sonntag bei diesem fantastischen Wetter? Schnell ein paar Fotos gemacht und weiter geht’s. In der Unterkunft angekommen reicht es nur noch für eine Stulle mit Schinken und Tomate und den Rest eines Teilchens mit dem wunderbaren Namen: „Rocciata di Assisi“ – es sollen Aprikosen, Äpfel, Walnüsse, Pinienkerne, Mandeln und Zimt drin sein. Geschmeckt hat es, aber auch in diesem Fall: Viel zu teuer. Morgen steht Elba auf dem Plan. Napoleons unfreiwilliges Exil.
Die Katzen in meiner Unterkunft sind auch wieder da. Sie haben mich zum Futterlieferanten erklärt und fressen wirklich alles. Da sollten sich die deutschen Katzen mal ein Beispiel nehmen.
Direkt aus dem Bauch der Fähre lande ich im Herzen von Umbrien. Nicht mal eine Stunde auf italienischem Boden und schon stehe ich vor dem Eingang einer der großartigsten Höhlen, die die Natur zu bieten hat. Ich spüre ein Kribbeln im Bauch, das sich nicht nur auf die hohen Wellen während der Überfahrt zurückführen lässt, sondern auch auf die Vorfreude, die mich erfüllt. Der Gedanke daran, in die Tiefen der Erde hinabzusteigen, lässt mein Abenteurerherz höherschlagen. Die Höhle empfängt mich mit offenen Armen, oder besser gesagt, mit steinernen Armen. In ihren verwinkelten Gängen und Hallen entdecke ich versteinerte Gestalten, die aussehen wie Überbleibsel aus längst vergangenen Zeiten. Da ist der versteinerte Troll, der mich mit seinen steinernen Augen herausfordernd anblickt, und dort drüben lugt ein Drache aus einer Ecke hervor, als ob er gleich Feuer speien würde. Ein wahres Märchenland, das meine Fantasie beflügelt und mir das Gefühl gibt, als könnte jede Ecke ein neues Wunder offenbaren. Wenn mir hier und jetzt eine Fee begegnen würde und mir einen Wunsch gewähren könnte, ich wäre nicht im Geringsten überrascht. Zwei Stunden lang tauche ich ein in dieses faszinierende Reich der Stalaktiten und Stalagmiten, bevor es Zeit wird, die Höhle zu verlassen und die nächsten Abenteuer anzugehen. Ein kurzer Blick auf meine Uhr und schon breche ich auf zu neuen Höhen – buchstäblich. Die Berge von Umbrien rufen und ich folge ihrem lockenden Ruf. Hoch oben in einem malerischen Bergdorf finde ich mein Quartier für die nächsten Tage. Kaum habe ich die Tür zu meinem Haus geöffnet, werde ich von drei hungrigen Katzen begrüßt, die scheinbar beschlossen haben, mich als ihren neuen besten Freund zu adoptieren. Sie fressen mir nicht nur aus der Hand, sondern alles, was ich ihnen anbiete. Gut, dass ich immer etwas Proviant dabei habe – ein kleiner Beitrag zur Freundschaft zwischen Mensch und Tier, sozusagen. Abends werde ich in einem typisch umbrischen Restaurant zu Gast sein. Die Vorspeise: Spaghetti mit Trüffeln. Ein wahrer Gaumenschmaus, das mich darüber nachdenken lässt, wie anders doch die kulinarischen Genüsse zwischen den Ländern sein können. Wenn ich an meine Erfahrungen in Albanien zurückdenke, mit all den stark gegrillten Speisen, muss ich unwillkürlich schmunzeln. Italien ist eben Italien – und das ist gut so.
Albanien, das Land der Überraschungen! Hier fühlt es sich an, als wäre die Zeit vor 50 Jahren stehengeblieben. Männer mit Charakter, die sich vermutlich wünschen, sie könnten wie die Ritter von einst mit Lanzen aus ihren Autos andere Autofahrer aufspießen. Doch ich bin kein Abenteurer aus vergangenen Zeiten und eine Lanze habe ich auch nicht, also habe ich spontan meine Reisepläne geändert. Statt auf holprigen Straßen mit Schlaglöchern, tief wie der Grand Canyon, durch das Land zu fahren, habe ich mich für eine etwas entspanntere Variante entschieden: eine Schiffsreise Richtung Italien. Nachdem ich sämtliche Zoll- und Sicherheitskontrollen passiert habe, stehe ich nun auf dem Deck einer etwas in die Jahre gekommenen Fähre. Mein Auto ist ganz vorne auf dem Schiff geparkt, zwischen anderen Fahrzeugen eingezwängt. Mit viel Einsatz und einer gehörigen Portion Anweisungen und Trillerpfeifensignalen vom energischen Personal finde ich den Weg dorthin. Ein paar Fahrer um mich herum wirken eher verzweifelt, aber am Ende passen wir alle irgendwie zusammen – ein bunter Mix aus Fahrzeugen und Emotionen.
Die Nacht wird lang sein, denn die Fahrt dauert etwa 16 Stunden. Das Meer ist ein bisschen unruhig, der Seewetterbericht verspricht Windstärken von 4 bis 7. Na, das kann ja lustig werden! Der nächste Bericht kommt dann wohl aus Bella Italia. Mal sehen, was das Land der Pasta und Pizza zu bieten hat!
Oh weh. Hier bin ich, mitten in Albanien. Die Reise begann so wunderschön in dieses faszinierende Land.
Doch dann… was soll ich sagen? Es ist wirklich ein besonderes Erlebnis hier. Mein erster Stopp: Eine Bar/Restaurant. Der Espresso für 70 Cent, der Wolfsbarsch für 10 Euro. Endlich einmal ein gutes Preis-Leistungsverhältnis. Doch dann: Alarm! Der Fluss nebenan ist vergiftet. Überall schwimmen Öldosen und anderes Zeugs. Oh. Ob mein Fisch..? Nein, der kommt bestimmt nicht aus diesem Fluss. Entlang der Straßen nach Tirana erstreckt sich ein endloses Gewerbegebiet. Die Hauptindustrie? Autos und Autoteile. Alle paar Meter stolpert man über eine Autowaschanlage. Naja, zumindest würde ich es so bezeichnen. Die Autofahrer hier – und davon gibt es viele – sind unglaublich risikofreudig. Man möchte fast dem Porsche-Fahrer, der waghalsig überholt, zurufen: „Pass auf dein Auto auf!“ Und man kann beinahe hören, wie er erwidert: „Warum? Es hat doch so gut wie nichts gekostet!“ Albanien und seine Straßen sind wirklich eine echte Erfahrung. Es ist definitiv nichts für schwache Nerven. Vielleicht ist es in den Bergen etwas entspannter, aber hier an der Küste? Au weia.
Für diese Nacht habe ich mir eine noble Unterkunft irgendwo am Strand gegönnt. Sie wirkt ein wenig apokalyptisch auf mich. Umgeben von Armut und Müll, doch innerhalb des Hotelkomplexes erwartet mich purer Luxus. Bewachter Parkplatz, Marmor im Bad, himmlisch weiche Betten und köstliches Essen zu absurd günstigen Preisen (eine Dorade mit gegrilltem Gemüse für sagenhafte 11 Euro). Dazu noch mein eigener Strandabschnitt mit Pool und Bar. Und so weiter, und so weiter… Aber das ist nichts für mich.
Die Fährüberfahrt nach Italien ist bereits gebucht. Morgen um zwei geht es zurück ins alte Europa. Nordgriechenland, wie ursprünglich geplant? Nein, das ist wohl eher etwas für mein nächstes Leben.
Was es sonst noch zu berichten gibt? Die Kühlbox, die mit der Solaranlage über die Powerstation mit Strom versorgt wird, funktioniert einwandfrei. Ich reagiere immer noch nicht allergisch gegen Bier und das Auto läuft wie eine Eins.
Das Frühstück an dem kleinen Picknicktisch am Mini-Hafen vor meiner Unterkunft ist einfach, aber nahrhaft. Über mir blüht der persische Flieder und verströmt einen betörenden Geruch, der mich an die guten alten Zeiten erinnert – an die Zeit, als ich klein war und meine Oma noch lebte. Mit ihr verbinde ich einen Duft aus Kölnischwasser, Puder und einer ganzen Reihe anderer seltsamer Dinge, die ich nicht einmal benennen kann. Während ich meinen Kaffee aus dem Blechbecher schlürfe, stelle ich mir vor, wie Marco Polo einst diesen kleinen Hafen vor seinem Lagerhaus anlegen ließ. Es muss so gewesen sein. Unbedingt. Immerhin ist es der perfekte Ort, um geheimnisvolle Waren zu lagern und sie unbeobachtet für den Verkauf vorzubereiten. Das Haus, das Marco Polo einst und ich die letzte Nacht, bewohnte, ist riesig – ein beeindruckendes Gebäude, das ich nur teilweise erkunden konnte. Einen Keller habe ich dabei überhaupt nicht entdeckt, obwohl ich fest davon überzeugt war, dass es ein riesiges Gewölbe sein müsste. Ich stellte mir vor, wie es von Fackeln erhellt und von seltsamen Wesen bewacht wird. Doch leider blieb mir dieser Blick in die Tiefe verwehrt. Übrigens: Die Matratze in Marco Polos Apartment war weich. Der Schlaf war fest. Die Träume seicht. 😊
Risan, die älteste Stadt Montenegros, atmet noch immer den Geist ihrer venezianischen Vergangenheit. Die alten Gebäude erzählen Geschichten von vergangenen Zeiten, als die Stadt ein bedeutender Handelsposten war. Heute ist sie zwar weniger geschäftig, aber ihr Charme ist ungebrochen. Während ich durch die engen Gassen schlendere, fühle ich mich wie auf einer Zeitreise, zurück in eine Ära, in der der Handel florierte und Abenteuer hinter jeder Ecke lauerten. Es ist faszinierend, wie sich die Geschichte in den Mauern dieser Stadt manifestiert hat – von den antiken römischen Ruinen bis hin zu den gut erhaltenen venezianischen Palästen. Jeder Stein erzählt eine Geschichte, und es ist, als könnte man die Vergangenheit förmlich spüren, während man durch die Straßen schlendert. Auch der Kontrast zu den Bausünden aus der Ära Tito, als Montenegro noch ein Teil Jugoslawiens war ist eher interessant, als störend. Aber jetzt ist es Zeit, weiterzuziehen und neue Abenteuer zu erleben. Wer weiß, welche Geschichten und Entdeckungen an meinem nächsten Reiseziel auf mich warten.
Heute sitze ich in einem eleganten Restaurant in Bigovo, einem kleinen Flecken Erde, der sich als Domizil für den heutigen Tag herauskristallisiert hat. Ein geschäftstüchtiger Unternehmer hat das Vermieten von Apartments in „seiner Bucht“ zu seinem Lebenselixier gemacht. Ein Restaurant gehört dazu und ein Shuttle-Service, der die Menschen von ihren Booten direkt zum Restaurant befördert, vervollständigt das Bild. Ich beobachte das Treiben interessiert. Es wie Kino, nur in echt. Reiche Menschen scheinen sich hier zu versammeln, als wäre es ein heiliger Ort für diejenigen, die in Geld schwimmen. Noch nie habe ich so viele Menschen mit Schönheitsoperationen gesehen. Elegante – sprich teure – Kleidung und goldene Sonnenbrillen dominieren das Bild. Die Gespräche sind laut, die Bestellungen bei den Kellnern erfolgen mit einer tausendfach geübten Lässigkeit. Eine Languste wird bestellt, landet jedoch nie auf dem Tisch, denn eines der Kinder findet es grausam, sie einfach in der Mitte zu durchtrennen und so zu servieren. Fast hätte ich mich als Resteverwerter angeboten… Vorher ein kurzer Besuch in Kotor, dort wo die Kreuzfahrer ihre Passagiere für ein paar Stunden ausspucken, nur um sie dann wieder einzuladen, nach ihrem Besuch im „Weltkulturerbe Altstadt Kotor“.
Es ist halb sieben, die Schwalben fliegen tief, und zum ersten Mal auf dieser Reise beginnt es zu regnen. Morgen soll es kälter werden. Und ehrlich gesagt, finde ich das ziemlich gut. Immer nur Sonne kann auch ganz schön langweilig sein. Es ist, als würde die Natur uns hier in Bigovo eine kleine Abwechslung gönnen, um die Luxusyachten und die goldumrandeten Sonnenbrillen zu kontrastieren. Es ist, als würde sie uns daran erinnern, dass nicht alles im Leben so glänzend und makellos ist wie die Oberfläche dieses Meeres, auf dem die Reichen wie moderne Seenomaden leben.
Kleiner Nachtrag: Gewitter im Süden Europas scheinen eine andere Qualität, als in Deutschland zu haben. Gefühlt geht hier gerade die Welt unter. Meine kleine Welt zumindest. Ach, ich weiß nicht, ob ich es schön oder gruselig finden soll?
Die Zeit steht still, hier in Perast und auch der venezianische Einfluss aus ferner Vergangenheit ist noch immer in den alten Gemäuern spürbar. Hier, zwischen den verwinkelten Gassen und den majestätischen Villen vergangener Seefahrerzeiten, habe ich mir für ein paar Tage mein eigenes kleines Kapitänsdomizil erkoren. Als ich früh am Morgen durch die engen Gassen von Perast schlendere, fühle ich mich wie ein Zeitreisender, der in die venezianische Vergangenheit Montenegros eingetaucht ist. Die alten Häuser, die stolz an den Hang geschmiegt sind, erzählen Geschichten von Kaufleuten und Kapitänen, die einst diese malerische Stadt zu ihrem Rückzugsort machten.
In einem dieser charmanten Häuser habe ich mein temporäres Zuhause gefunden. Als selbsternannter Kapitän der Landstraße passt es perfekt zu meinem reisenden Lebensstil. Der Duft von frisch gebackenem Brot und salziger Meeresluft begrüßt mich am Morgen, während die Sonne über der Bucht einen goldenen Schimmer wirft. Während die meisten Touristen noch in ihren Betten schlummern, streife ich bereits durch die stillen Straßen und hole mir mein tägliches Brot. Es ist, als hätte die Stadt sich nur für mich entschieden, ihre Geheimnisse preiszugeben, bevor der Trubel des Tages beginnt. Die nächsten beiden Tage versprechen eine unerwartete Ruhe, denn Montenegro feiert den Tag der Arbeit mit einer zweitägigen Auszeit. Alles wird stillstehen, und ich werde die Gelegenheit haben, ganz ich selbst zu sein, ohne Ablenkung oder Verpflichtungen.
Die beiden winzigen Inseln in der Bucht, auf denen sich eine Kirche und ein Friedhof befinden, scheinen ein Symbol der Weisheit der Einheimischen zu sein. Denn inmitten all des Trubels und der Hektik ist dies zweifellos der schönste und friedlichste Ort in der ganzen Bucht.
Jetzt, in diesem Moment, wacht die Stadt auf. Die Stille wird nach und nach von telefonierenden Menschen, kreischenden Baumaschinen, hupenden Autos und lautem Schiffsgedröhn durchbrochen. Alles zusammen ergibt eine Geräuschkulisse die kaum stört. Es ist eben einfach so.
Dicke Amerikaner, schlaksige Engländer, die nur aus Knien und Ellenbogen zu bestehen scheinen und staunende Polen, die sich am Stand nebenan ein Eis am Stiel leisten. Was eben noch so idyllisch war, ist jetzt ein Gewusel von Touristen. Eine Vielzahl von ihnen führt das Handy aus. Fotografiert und filmt, was das Zeug hält. Schaut man dann etwas genauer hin, stellt man fest, dass fast alle Handys in der Selfie-Funktion eingestellt sind. Sie fotografieren gar nicht die schöne Gegend, sondern sich in dieser schönen Gegend. Ihr Thema: Eine tolle Stadt als Hintergrund für ein Selfie, aber für höchstens zwei Stunden. Ich selbst? Ich sitze im Schatten, trinke eine Dose Cola und gucke mir die Szenen an. 🎬
Aber nicht lange. Ich fliehe lieber. Möchte meine Ruhe haben. Flucht! Ein Wort, das sich in meinem Kopf wiederholt, während ich mich auf der Suche nach Zuflucht durch die malerischen Straßen Montenegros bewege. Und dann, Risan taucht auf – eine der ältesten Orte des Landes. Eine Oase der Geschichte, umgeben von der satten Blau- und Grüntönen der Adria. Ein Ort, der mit Geschichten altertümlicher Tage gefüllt zu sein scheint, wartet darauf, von mir erkundet zu werden. Ich finde Unterkunft in einem alten Lagerhaus, das einst einem venezianischen Handelsherrn gehörte. Ein Kellerapartment, das trotz der brütenden Hitze draußen eine erfrischende Kühle bietet – ein wahrer Luxus für weniger als 50 Euro. Die Ruine nebenan wirkt wie ein stiller Zeuge vergangener Tage, als die Wellen der Zeit die Stadt geformt haben. Mein Auto parkt an der Küstenstraße, wo dicke Lastwagen in einem atemberaubenden Tanz um Millimeter an ihm vorbeifliegen. Eine Entscheidung steht an: Zulassen oder lieber wegfahren? Ich entscheide mich für die Herausforderung und lasse den Kontrast zwischen Vergangenheit und Gegenwart auf mich wirken. Aus dem kleinen Schlafzimmerfenster blicke ich auf einen alten Hinterhof, wo einst vielleicht Marco Polo seine Waren inspizierte. Heute ist es das Zuhause einer kleinen Katze, die gemütlich in einem Eimer ruht – ein charmantes Bild von alter und neuer Welt, verbunden durch die skurrile Realität des modernen Lebens. Ein kaltes Bier steht vor mir, während ich meinen Picknickplatz direkt am Meer genieße – ein kleines Stück vom Paradies, das zum Apartment gehört. Doch dazwischen liegt eine Straße, deren Überquerung einem wagemutigen Abenteuer gleicht. Ich finde, das Risiko ist es wert für den Zauber dieses Moments. Bevor es zum Abendessen geht, mache ich mir schnell eine dicke Stulle mit heimischen Aufschnitt und trinke ein Glas Rosé – eine Vorspeise, die den Gaumen und die Seele gleichermaßen erfreut. Ich muss ja nicht mehr fahren. Erst morgen wieder, wenn es heißt: Finde den nächsten schönen Ort. Ach ja, fast hätte ich es vergessen. Ich war noch einkaufen bei: HERMES. Der Storeleiter war ein ganz besonderer Mensch. Ach….
Ich bitte um Entschuldigung, aber ein Gedicht aus meiner Schulzeit geht mir bei dieser Reise nicht aus dem Kopf.
DER PANTHER
IM JARDIN DES PLANTES, PARIS Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe so müd geworden, daß er nichts mehr hält. Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt.
Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte, der sich im allerkleinsten Kreise dreht, ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte, in der betäubt ein großer Wille steht.
Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille sich lautlos auf –. Dann geht ein Bild hinein, geht durch der Glieder angespannte Stille – und hört im Herzen auf zu sein.
Der Asphalt zieht unter den Reifen meines Caddys vorbei, während ich mich auf einer endlosen Fahrt gen Süden befinde. Autobahnbrücken, die ausschließlich für Bären und Wölfe reserviert sind – wer hätte gedacht, dass ich mal solch ein Schild zu Gesicht bekomme? Aber hey, auf dieser Tour ist wohl alles möglich. Noch 200 Kilometer bis Perast. Die Vorstellung, dass ich für diese Strecke länger brauchen werde als für einen interkontinentalen Flug, ist irgendwie beunruhigend. Doch die Küstenlandschaft, die sich vor mir erstreckt, entschädigt für jede Minute entlang der Adria. Perast, das kleine Juwel an der montenegrinischen Küste, erwartet mich. Mein Apartment, ein wahres Schnäppchen für schlappe 44 Euro pro Nacht, erweist sich als Miniaturwunderland. Leider muss ich über 200 Stufen von oben nach unten zum Meer und dem Haus, in dem ich schlafen werde. Mit Gepäck. Aber…. der Vermieter hilft mir und spricht auch noch deutsch – ein Glücksgriff! Von meiner winzigen Terrasse aus habe ich den perfekten Blick auf die Bucht von Kotor. Kleine Inseln mit Klöstern und, naja, irgendeine Art von alten Mauern fügen sich malerisch in die Szenerie ein. Morgen steht eine Schiffstour auf dem Programm, aber im Moment ist erstmal Ausschlafen angesagt. Aber vorher schiebt sich noch ein Kreuzfahrer aus der engen Meerenge. Krass. Das Essen ist najanaja. Auch egal. Dafür bin ich unfreiwilliger Gast auf einer Hochzeit und sehe Menschen in schicken Trachten. Das mag ich. Sehr. Erschöpft sinke ich in das Boxspringbett, das auch der Queen gefallen würde. Doch hier in Perast fühle ich mich wie ein König, umgeben von Luxus und Schönheit. Es ist Zeit, dem Sandmann einen Besuch abzustatten und mich von den Träumen in die Arme der Königin des Schlafes entführen zu lassen.